Wie ein Kochbuch entsteht VI: Die Herstellerin

Im letzten Teil meiner Serie zum “Making of” von Seelenfutter vegetarisch* steht eine Person im Mittelpunkt, auf deren Antworten ich selbst höchst gespannt war: Susanne Mühldorfer, die Herstellerin. Denn ganz ehrlich: Was genau alles zu ihrem Beruf gehört, davon hatte ich eher eine vage Ahnung. Das ging übrigens nicht nur mir so. Ich wurde sogar im Verlag selbst angesprochen, man sei auf diesen Teil sehr neugierig, denn man wisse gar nicht so genau … (Wer das gesagt hat? Meine Lippen sind versiegelt. Aber es war nicht nur eine Person.) Und das, obwohl ohne die Herstellerin kein Buch produziert werden könnte!

Buchherstellung

Susanne Mühldorfer kenne ich, so wie fast alle anderen Beteiligten an diesem Buchprojekt, schon aus meiner Zeit im Verlag. Seit ich nicht mehr dort arbeite, haben wir gar nicht mehr häufig direkt miteinander zu tun, denn meine Ansprechpartnerinnen sitzen in der Redaktion, nicht in der Herstellung. Trotzdem freue ich mich immer, wenn ich weiß, dass Susanne bei einem Projekt mit an Bord ist: Sie ist nicht nur sehr, sehr erfahren (was den Büchern zugute kommt), sondern auch sehr, sehr gelassen (was der Zusammenarbeit zugute kommt). Sie blieb sogar freundlich und hilfsbereit, als ich vor zwei Wochen hektisch in die Herstellungsabteilung gestürmt kam, um schnell zwischen zwei Terminen noch ein paar Fotos für diesen Artikel zu schießen …

Susanne, wenn du auf einer Party erzählst, was dein Beruf ist: Was fällt denn den Leuten als Erstes dazu ein?

Wenn ich als Berufsbezeichnung „Buchhersteller“ oder „Produktioner“ angebe, folgt immer erst ein ratloses „Aha“. Dann kommt manchmal die Frage: „Bindest du denn die Bücher?“ Aber das tue ich natürlich nicht. Ich begleite im Verlag die Produktion eines Buches von der Planung und Kalkulation bis zur Auslieferung. Als Hersteller koordiniere ich den Satz, die Repro und den Druck und überwache die technischen Betriebe hinsichtlich Qualität, Kosten und Termintreue. Mittlerweile bedeutet Herstellung eher Projektmanagement.

Unter Satz und Druck können sich die meisten vermutlich etwas vorstellen – aber welche Rolle spielt denn die Repro beim Büchermachen?

Eine ziemlich große. Von den Reprografie-Dienstleistern werden unsere digitalen Bilddaten farblich und qualitativ bearbeitet. Dort werden die Dateien der gesetzten Buchseiten überprüft und für den Druck aufbereitet, dort werden die PDFs geschrieben, die heutzutage als Datengrundlage für die Druckereien dienen, und viele Repros übernehmen auch gleich die Archivierung der gewaltigen Datenmengen, die bei so einer Buchproduktion anfallen.

Was genau waren deine Aufgaben bei Seelenfutter vegetarisch?

Bei Seelenfutter vegetarisch hatte ich ja ein bewährtes, eingespieltes und erfahrenes Team neben mir, und es wurde auf ein bestehendes Layout zurückgegriffen. Mein Part war somit nur die Kalkulation, die Terminvorgabe und die Abwicklung mit der Repro. Das heißt: Ich habe die Feindaten der Bilder (die Daten in höchster Auflösung) an die Repro übergeben. Von dort habe ich die sogenannten Proofs zurückbekommen, also Ausdrucke, bei denen Farben schon so aussehen wie später im Druck. Anhand dieser Proofs habe ich noch Farbkorrekturen vorgenommen.

Korrektur von Proofs

Außerdem habe ich mir die einzelnen Umbrüche, also die gesetzten Buchseiten, anhand der PDFs durchgesehen und korrigiert. Bei mir heißt das allerdings nicht, dass ich inhaltlich oder sprachlich verbessere – ich achte darauf, dass Überschriften die richtige Größe haben, Kästen an den richtigen Stellen stehen und die Farben von Schrift und Hintergründen stimmen, dass also das Layout entsprechend den Vorgaben umgesetzt wurde. Zum Schluss liefen alle Daten über meinen Schreibtisch in die Repro, wo daraus ein druckfähiges PDF gemacht wurde. Von dem wurde noch einmal ein Farbausdruck erstellt, der von mir und der Redaktion zum Schluss freigegeben werden musste. Bei diesem Titel bin ich auch zur Druckabnahme in die Druckerei gefahren. Dort habe ich noch einmal direkt an der Druckmaschine die Kontrolle, ob alle Farbeinstellungen stimmen, sodass die Fotos schön appetitlich wirken.

Du sagst, dass du hier weniger zu tun hattest, weil das Layout schon bekannt war. Was kommt denn noch an Aufgaben hinzu, wenn das nicht der Fall ist? Wie war das zum Beispiel bei dem ersten Band von Seelenfutter, als das Layout neu war?

Bei einem wirklich neuen Titel wird als Erstes unsere externe Grafikagentur von der Redaktion gebrieft. Von dort kommen dann Musterseiten. Die Redaktion guckt sich diese Vorschläge daraufhin an, ob das Layout zum Thema und zur Zielgruppe passt, ob die benötigten Textmengen unterzubringen sind und ob alles schön und übersichtlich aussieht. Ich dagegen gucke mir das Ganze von der herstellerischen Seite an: Dabei interessiert mich zum Beispiel, ob die Überschriftenhierarchien eingehalten wurden, ob die Schriften technisch so beschaffen sind, dass sie in unseren Produktionsablauf passen (OpenType-Schriften), und ich gucke auch, ob es beim Druck Probleme geben könnte, weil beispielsweise Rahmen zu dicht am Beschnitt, also am Seitenrand, platziert sind.

Papiermuster

Außerdem muss bei einem neuen Buchprojekt ja entschieden werden, ob das Buch als Hardcover oder Softcover kommt, welches Papier verwendet werden soll und ob es eine besondere Ausstattung gibt – ein Lesebändchen etwa oder einen Einband in Leinenoptik. Für so etwas hole ich die Preise ein und gucke in der Buchkalkulation, ob das überhaupt machbar ist.

Wie viele Buchprojekte betreust du im Normalfall gleichzeitig?

Pro Halbjahr betreue ich so ca. 15 bis 16 Novitäten, also Neuerscheinungen. Die unterscheiden sich natürlich ziemlich von Umfang, Layout und Ausstattung her.

Worauf achtest du als Erstes, wenn du ein (Koch-)Buch aufschlägst – vor allem eines, das du selbst betreut hast?

Bei Büchern achte ich zuerst meistens auf die Bildqualität, auf die Farben und auf die Verarbeitung. Das macht für mich nach wie vor den großen Unterschied zur digitalen Welt aus.

Und was ist dein liebstes Seelenfutter?

Mein Seelenfutter ist im klassischen Sinne natürlich Schokolade, bevorzugt mit irgendwelchen Nüssen, am liebsten Mandeln. Und das meistens in einer ordentlichen Menge!

Vielen Dank für das Interview, Susanne!

An dieser Stelle auch ein Dankeschön an euch, die ihr diese Serie verfolgt und mir dafür so nette Rückmeldungen gegeben habt. Ich habe mich wirklich gefreut, dass ihr diese Einblicke ins Büchermachen interessant fandet! Zum Schluss frage ich daher euch: Sind noch Fragen offen geblieben? Gibt es etwas, das nicht vorkam? Oder gab es besondere Aha-Erlebnisse; Dinge, die ihr euch immer ganz anders vorgestellt hattet? Dann hinterlasst gerne einen Kommentar!

Das sind die Folgen der Serie “Wie ein Kochbuch entsteht”:

4.11.14 Wie einKochbuch entsteht I: Die Redakteurin

11.11.14 Wie ein Kochbuch entsteht II: Autorin Susanne Bodensteiner

14.11.14 Wie ein Kochbuch entsteht III: Mein persönliches Making of

18.11.14 Wie ein Kochbuch entsteht IV: Der Lektor und Setzer

25.11.14 Wie ein Kochbuch entsteht V: Das Fototeam

2.12.14 Wie ein Kochbuch entsteht VI: Die Herstellerin

8 Gedanken zu “Wie ein Kochbuch entsteht VI: Die Herstellerin

  1. Adelheid Schmidt-Thomé

    Eine gute Idee, über die Feinheiten der Berufe rund ums Buchmachen zu schreiben!
    Schön geschrieben und umgesetzt.
    Wenn mich mal wieder jemand fragt, was man denn bittschön an Kochbüchern groß arbeiten muss,
    werde ich auf diese Texte verweisen.
    Liebe Grüße
    Adelheid

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