Selbst gemachter Granatapfelsirup

Granatapfelsirup ist der Aceto balsamico der türkisch-syrisch-libanesischen Küche: ein fast schwarzes, intensiv sauersüßfruchtiges Elixier, das Salate würzt, über Fleisch und Fisch geträufelt werden kann und selbst über Vanilleeis toll schmeckt. Und: Man kann den Sirup vollkommen problemlos selbst machen.

Nur muss man darauf erst einmal kommen. Bei mir hat das etwas länger gedauert. Schon seit vielen Jahren ist Granatapfelsirup Stammgast in meiner Küche, und jedes Mal, wenn eine Flasche leer war, stand ich wieder einigermaßen verzweifelt im türkischen oder arabischen Laden vor den verschiedenen Sirupfabrikaten, drehte Flaschen um, studierte Zutatenlisten und seufzte. Ich nahm dann das geringste Übel, aber so richtig glücklich war ich nicht.

Irgendwann erwähnte Katharina Seiser, dass sie ihren Granatapfelsirup selbst kocht. Danach kaufte ich mir eine Flasche reinen Granatapfelsaft (gibt es im Reformhaus oder Bioladen), räumte sie aber erst mal in die Speisekammer und verlor den Sirupkochplan aus den Augen.

Bis vor Kurzem Peggy Schatz eine Geschmacksfrage stellte, die mich über das Blog der Turbohausfrau zu Anna Antonia und ihren Artikel über selbst gemachten Granatapfelsirup führte. Stimmt, da war ja noch was! Also holte ich endlich die Flasche Granatapfelsaft wieder hervor, leerte sie in einen Topf und ließ den Saft einfach einkochen, während ich nebenher andere Küchendinge erledigte. Ungefähr eine halbe Stunde später hatten sich 700 Milliliter Saft auf ca. 150 Milliliter schön dickflüssigen Sirup reduziert.

Weil ich kurz vor Schluss Angst bekam, der Saft könne nicht genügend eindicken, habe ich noch zwei Esslöffel Zucker dazugegeben. Aber vielleicht wäre das gar nicht nötig gewesen. Auf Zitronensaft jedenfalls kann man meiner Meinung nach gut verzichten, denn Granatapfelmuttersaft ist sauer genug.

Der fertige Sirup steht jetzt in einem Fläschchen im Kühlschrank, und heute Abend hatte er in einem sommerlichen Gericht seinen ersten großen Auftritt. Ich nenne es Caprese alla turca: Tomatenscheiben, Scheiben von nicht zu salzigem Feta, dazu Ringe von roter Zwiebel, ein paar Minzblättchen, gutes Olivenöl und Granatapfelsirup. Ein wunderbares Abendessen, auf dem Balkon weggegabelt, während im Hinterhof die Kinder durch die Gärten toben und von der Elbe Schiffe herübertuten. Juniglück!

Caprese mit Feta und Granatapfelsirup

Übrigens: Die altbekannte Grenadine hat mit dem orientalische Granatapfelsirup wenig gemeinsam, auch wenn an ihrer Wiege ebenfalls einmal der Granatapfel stand. Aber als die Getränkeindustrie die Grenadine als ideale Cocktailmixzutat adoptierte, zog sich der Granatapfel zurück und überließ Zucker und künstlichen Aromen das Feld. Deshalb kann man Granatapfelsirup auch nicht durch Grenadine ersetzen: Sie ist viel zu süß.

Verwendet ihr Granatapfelsirup? Wenn ja, wofür? Und habt ihr ihn schon mal selbst gemacht?

11 Gedanken zu “Selbst gemachter Granatapfelsirup

  1. Anna C.

    Danke für die Erwähnung- klar dass ich meinen Granatapfelsirup selbst koche und viel verwende, ein Spritzer in Salatsaucen, zum Anbraten von diversen Gemüsen für Schmorgerichte, Hackfleisch, undsoweiter. Inzwischen auch, wie du, anstelle Balsamico für Tomatensalat, auf dem Teller angemacht. Sehr fein, eine echte Bereicherung der Küche, kein gekauftes Produkt kann da mithalten.

    1. Sabine Schlimm Artikel Autor

      Ich bin mir sehr sicher, dass Dein Blog sehr häufig ganz schön viele Leute anregt. Nur erfährt man ja nicht immer davon. Dir jedenfalls noch einmal Danke fürs Anregen (und für Dein Blog überhaupt)!

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