Lesebrösel: Kulturaustausch beim Kochen

Vor Kurzem habe ich ja schon einmal über ein Kochbuch von und mit jugendlichen unbegleiteten Flüchtlingen berichtet. Toll daran fand ich nicht nur das Engagement aller Beteiligten, sondern auch und vor allem, dass geflüchteten Menschen hier nicht immer nur die Rolle hilfsbedürftiger Bittsteller zugewiesen wird, sondern dass sie als Kulturvermittler auftreten. Das Thema ist mir dort allerdings nicht zum ersten Mal begegnet, und deshalb gibt es heute eine kleine Sammlung von ähnlich gelagerten Projekten, die mir in letzter Zeit ins Netz gegangen sind:

In dem (sehr lesenswerten!) Kulturblog Kulturstrandgut bin ich zum ersten Mal auf das Mannheimer Projektkochbuch Intecreative – Die Welt kocht im Quadrat gestoßen, das Studierende zusammen mit Asylsuchenden verfasst haben. Mit dem Erlös des Kochbuchs werden Sprachfördermaßnahmen für Flüchtlinge finanziert.

Eine ganze Sammlung von Kochbüchern von und mit Flüchtlingen ist im Blog Wie kann ich helfen? zusammengestellt. Dieses Blog ist übrigens erste Anlaufstelle für alle, die sich fragen, wie sie sich persönlich einbringen können, um geflüchteten Menschen das Ankommen bei uns zu erleichtern: Birte Vogel berichtet dort über Hilfsprojekte, Ideen und Initiativen für Flüchtlinge, und die Sammlung wächst ständig.

Interkulturelle Kochbuchaktionen müssen nicht immer mit Flüchtlingen zu tun haben. Im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg entstand als Schulprojekt das Kochbuch Heimat im Topf, das die Lieblingsrezepte der kulturell bunt gemischten Profilklasse vereint. Bei der Arbeit am Buch zeichneten und kochten die beteiligten Schülerinnen und Schüler nicht nur; sie tauschten sich auch über eigene und fremde Kulturen aus.

Ein Kochbuch, das die Sprachbarriere einfach ausschaltet, hat Grafikdesign-Student Roland Lehle entworfen. Während die Macher_innen des Kochbuchs Look + Cook den Text durch Fotos ersetzen, setzt er in seinem Speechless Cookbook Illustrationen und andere grafische Elemente ein, um es allen Menschen unabhängig von ihren Sprachkenntnissen zu ermöglichen, selbst zu kochen.

Und wer nicht nur lesen, sondern auch aktiv interkulturell kochen möchte: Das Projekt Über den Tellerrand kochen, über das auch Birte Vogel berichtet, geht weiter. Alle, die möchten, können zusammen mit geflüchteten Menschen kochen und das Rezept sowie ihre gemeinsamen Erfahrungen zu einem zweiten Kochbuch-Band beisteuern. Hier steht, wie’s geht (PDF).

Kennt ihr noch mehr solche Projekte?

2 Gedanken zu “Lesebrösel: Kulturaustausch beim Kochen

  1. Hildegard Möller

    Hallo Frau Schlimm,
    ich habe 2012/2013 ein ähnliches Projekt in Münster gestartet. Für meine Zeitungsserie „Kochen ohne Grenzen“ in den Westfälischen Nachrichten habe ich Kontakt zu zugewanderten Mitbürgern aufgenommen, die zum Studieren, Arbeiten, aus politischen Gründen oder der Liebe wegen nach Münster gekommen sind. Ich durfte in ihre Kochtöpfe schauen und viele köstliche Gerichte probieren. Entstanden aus den zahlreichen Begegnungen ist neben der Kochserie ein Kochbuch sowie eine App über „grenzenloses Essvergnügen“. Neben den landestypischen Rezepten wird auch ein Blick auf die Lebensläufe der Menschen und deren Heimat geworfen.
    Hier erfährt man mehr:

    http://www.aschendorff-buchverlag.de/shop/product_info.php?info=p1947_M–ller–Hildegard-br—-Kochen-ohne-Grenzen.html&XTCsid=rv4s8884r0f5entvin7d88pql4

    https://itunes.apple.com/de/app/kochen-ohne-grenzen/id564760470?mt=8
    Herzliche Grüße
    Hildegard Möller

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