Gerettet! Kokospudding mit Rhabarber

Kokospudding mit Rhabarberkompott

Ja, die Laune auch. Also, wurde durch den Pudding gerettet, meine ich – der stand einfach zum genau richtigen Zeitpunkt auf dem Tisch und war verdammt lecker. Aber eigentlich ist das „gerettet“ anders gemeint. Gerettet wird heute der Pudding, und zwar synchron auf etlichen Foodblogs von einer Gruppe unerschrockener Retterinnen und Retter.

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Mit dem Rettungsring losgestapft sind im letzten Jahr ein paar Foodbloggerinnen rund um die Turbohausfrau und die Giftige Blonde. Die beiden stellten nämlich eines Tages entsetzt fest, dass traditionelle Rezepte einfach verschwinden: weil sich keiner mehr die Mühe macht, sie richtig gut zuzubereiten, weil sie von allerlei Exotischem verdrängt werden oder weil sie von der Lebensmittelindustrie gekapert wurden und nunmehr so selbstverständlich als Fix-fertig-Packung im Supermarktregal liegen, als hätten sie nie eine Existenz als Von-Anfang-an-Selbstgekochtes geführt. In etlichen Aktionen hat das wachsende Rettungstrüppchen nun schon bewiesen, wie sehr es sich lohnt, diese traditionellen Rezepte zurückzuerobern. Erprobt wurde das unter anderem an Knödeln, Suppeneinlagen und Geburtstagskuchen.

Es war nur eine Frage der Zeit, bis den Retter_innen der desolate Zustand der Pudding-und-Creme-Kultur zu Ohren kam und sie zur Hilfe eilten. Und diesmal habe ich mir erstmals auch ein kleines Superretterinnen-Cape übergeworfen, um meinen kleinen Beitrag zu leisten. Zum Puddingretten also.

Ich rede hier übrigens von der Süßspeise, die wackelt, wenn man sie anstupst, auch wenn die küchentechnisch korrekt Flammeri genannt wird. Echte Puddings sind nach reiner Lehre im Wasserbad gedämpfte Teiggeschichten, also gewissermaßen warme, gedämpfte Kuchen. Aber ehrlich: Wer sagt schon Flammeri zu Vanille- oder Schokopudding, selbst wenn’s stimmt? Ich nicht. Nennen wir also der Bequemlichkeit halber (und weil wir unter uns sind) den Flammeri weiter Pudding.

Und um den steht es auch ohne Begriffsverwirrung traurig genug. Hier hat die Tütchenindustrie wirklich saubere Arbeit geleistet. Mit ihren Produkten hat sie es fertiggebracht, viele Leute glauben zu lassen, dass das gar nicht geht: Pudding kochen ohne Packung. Dabei ist in den Tütche keinerlei Magie enthalten, sondern nur Speisestärke sowie ein paar Farb- oder Aromastoffe. Sonst nichts.

Natürlich bin ich auch mit Tütchen aufgewachsen. Natürlich dachte ich auch lange, das kann man zu Hause gar nicht selbst machen. Bis ich über das erste Puddingrezept in einem älteren Kochbuch stolperte und feststellte: Oh. Ziemlich simpel. Und das nächste war genauso simpel. Und das dritte auch. Und irgendwann merkte ich, dass Puddingkochen keine Kunst ist, sondern dass es reicht, sich eine einfache Formel zu merken:

35 Gramm Speisestärke auf 500 Milliliter Flüssigkeit ergibt Pudding.

Flüssigkeit aufkochen, angerührte Stärke einquirlen, kurz aufkochen, in Formen gießen, kalt werden lassen. Das ist alles. Welche Erleichterung bringt dabei die Industrie? Sie erspart uns das Stärkeabwiegen und jubelt uns bei der Gelegenheit gleich noch ein paar Zusatzstoffe unter. Natürlich setze ich Stärke und Flüssigkeit (meist Milch, aber auch Fruchtmus) auch noch Dinge zu: Zucker zum Süßen und natürlich das, was Geschmack bringt, also Schokolade oder Mokka oder Früchte oder oder oder … Aber wer sich die Faustformel oben merkt, gewinnt dadurch die Freiheit, nach Herzenslust zu experimentieren.

(Zugegeben, ein bisschen gepfuscht ist das schon. Nicht bei allen Puddingrezepten wird das Binden allein der Speisestärke überlassen. Oft spielen auch Eier eine Rolle, besonders bei Vanillepudding – schon aus farblichen Gründen. Aber auch ohne Eier kommt man puddingtechnisch sehr weit. Was allein schon die Tütchen mit ihrem Stärkeinhalt zeigen.)

Kokospudding mit Rhabarberkompott

Ich habe meinen Beispielpudding einfach gehalten, um das Prinzip zu zeigen. Was nicht heißt, dass ihm diese Einfachheit geschadet hätte: Der Kokospudding war wunderbar sahnig; der perfekte Kontrapunkt zum säuerlichen Rhabarber. Klar, traditionell ist das Rezept nicht. Aber mir ging es um ein traditionelles Prinzip, das dann alle Möglichkeiten zum Spielen eröffnet. Und ganz nebenbei kommt der Kokospudding noch vollkommen ohne tierische Produkte aus, was mir allerdings erst hinterher einfiel. Trotzdem darf er mal wieder beim #tierfreitag mitmachen.

tierfreitag

Kokospudding mit Rhabarber
Quelle: 
Zubereitungszeit: 
Garzeit: 
Zeitbedarf gesamt: 
Portionen: 4
 
Zutaten
Für den Rhabarber:
  • 250 g Rhabarber
  • 100 ml Wasser
  • 3 EL Zucker
  • ½ TL gemahlener Ingwer
Für den Kokospudding:
  • 35 g Speisestärke
  • 2 EL Zucker
  • 500 ml Kokosmilch
Anleitung
  1. Für das Rhabarberkompott die Rhabarberstangen waschen. Die Enden abschneiden, die Stangen nur falls nötig entfädeln (meist möchte die schöne rote Haut sich zwar abschälen, aber das heißt nicht, dass man es zulassen muss!) und in fingerbreite Stücke schneiden. Die Stücke mit Wasser, Zucker und Ingwer in einem Topf aufkochen und bei schwacher Hitze 5–8 Minuten köcheln lassen, bis der Rhabarber zerfallen ist. Wer ihn stückiger mag, kocht ihn kürzer. Das Kompott vom Herd nehmen und abkühlen lassen.
  2. Für den Kokospudding Stärke und Zucker in einem Schüsselchen vermischen. Die Kokosmilch in einen Topf geben, 4 EL davon abnehmen und damit die Stärkemischung glatt anrühren. Die übrige Kokosmilch aufkochen. Sobald sie kocht, den Topf vom Herd nehmen, die angerührte Stärkemischung mit einem Schneebesen einrühren, auf den Herd zurückstellen und 1 Minute bei schwacher Hitze köcheln lassen. Die Mischung dickt sofort an, daher gut rühren, damit sie nicht ansetzt. Den Pudding auf Gläser, Schüsselchen, Förmchen verteilen oder aber in eine große Schüssel füllen und vollkommen abkühlen lassen.
  3. Den abgekühlten Pudding nach Belieben aus den kleinen Förmchen auf Teller stürzen oder aus der großen Schüssel löffeln – jedenfalls mit dem Rhabarber servieren.

Einfach, oder?

Ach ja, die Sache mit der Puddinghaut. Wenn es euch vor der graut (wie der Annett aus dem Guggenmoos’schen Gedicht, das ihr mit den Suchbegriffen „Annett Dreimeterbrett Pudding“ leicht findet), dann legt einfach Frischhaltefolie direkt auf die Puddingoberfläche, bevor ihr die ganze Sache abkühlen lasst. Das geht natürlich in einer großen Schüssel leichter als in lauter eleganten kleinen Förmchen.

Kokospudding mit Rhabarberkompott

Und, ihr so? Pudding immer nur selbst gekocht oder auch mal aus der Tüte oder aus dem Becher im Kühlregal? Und graut’s euch vor der Haut?

Echte Puddingfans finden heute auf folgenden Blogs lauter feine gerettete Puddings und Cremes. Schaut mal vorbei!

Fliederbaum 

Jankes*Soulfood

Andy Lieberlecker

Kleine Chaosküche

Hardy’s Kitch’n „Genussjäger“

Prostmahlzeit

Kochen mit Herzchen

giftigeblonde

Barbaras Spielwiese

Rohstoffverarbeitender Betrieb

1x umrühren bitte aka kochtopf

genial-lecker.de

kebo homing

AnnaAntonia

Paprika meets Kardamom

Obers trifft Sahne

Verboten gut!

Widmatt

Kochbuch für Max und Moritz

29 Gedanken zu “Gerettet! Kokospudding mit Rhabarber

  1. giftigeblonde

    Klasse!
    Ähnliches habe ich für den Tierfreitag auch schon fabriziert. Kokosmilch liebe ich ja so und so weils für mich überall reinpasst und ich Milch eh nicht immer vertrage!
    Mit dem Rhabarber dazu-einfach perfekt!
    lg. Sina

  2. Anna C.

    Ich seh schon, ich muß doch auch mal mit Kokosmilch einen Versuch wagen.
    Bei Normalem Pudding streu ich gerne Mandelsplitter obdendrauf, zur Verfeinerung der Haut…

  3. Jankes Soulfood

    Liebe Sabine,
    mal wieder ein wundervoller Text und ein leckeres Rezept. Das werde ich gleich weiterleiten an jemanden, der sich an veganen Pudding noch nicht heran getraut hat. Klasse ♥
    Viele liebe Grüße von der mitrettenden
    Janke

  4. Hardy

    Es ist schlimm mit mir. Ich bin ein absoluter Kokosfan und sobald irgendwo Kokos drin ist (in jeglicher Form ausser in Fasern) werde ich ganz hippelig und ich will das auch haben.

    Also der Rhabarber macht mich nicht so an – aber der Kokospudding umso mehr. Schönes Rezept und ich kann mir vorstellen, dass es rund und frisch schmeckt.

    Dein wunderschöner Text bringt für mich „Neuling“ auch wieder etwas mehr Licht ins Dunkel der Rettung und ich bin froh, daß ich bis jetzt (mehr durch Zufall) alles richtig gemacht habe. Danke auch dafür.

    1. Sabine Schlimm Artikel Autor

      Gar nicht schlimm. ;-) Und freut mich, wenn ich was erklären konnte – dabei bin ich doch genauso Neuling! Die alten Häsinnen müssen also beurteilen, ob das alles so stimmt.

  5. Anikó

    Leider kann man mich mit Kokos echt meilenweit jagen, aber schön weiß wird der Pudding dadurch :-) Und ich nehm dann einfach den Rhabarber pur :-)

  6. Verboten gut !

    Zur späten Stunde dreh ich noch ne Runde und probier mit meinem Löffelchen überall mal was, von dem da so gerettet wurde ;)

    Es gibt zwei Dinge die Ich besonders mag und die sind alle beide in diesem Schüsselchen … mach mal die Augen zu, ich schnapp mir schnell mal das Schüsselchen ;)

    LG Kerstin

  7. rike

    Bislang konnte ich mich nur zu Kokos im Curry durchringen (bis vor wenigen Jahren konnte man damit jagen und so ein echter Fan bin ich immer noch nicht!). Aber für mein nächstes Buffet ist das bestimmt eine tolle Idee!

  8. Barbara

    Ja, genau, Du bringst es auf den Punkt: 35 Gramm Speisestärke auf 500 ml Flüssigkeit – man spart sich das Abwiegen und kauft sich dafür für teuer Geld seltsame Zutaten ein. Also lieber selber machen. Bei mir war’s genauso, irgendwann kam ich dahinter, wie einfach das ist. Und habe schon seit Jahren kein Puddingpulver mehr daheim, Stärke aber immer. Damit ist man super flexibel.

    Mit Kokos gibt’s bei mir auch oft was – das passt ja auch zu allem, im Winter auch zu Mango, im Sommer zu Himbeeren, im Herbst Heidelbeeren, usw.

  9. Irene (widmatt.ch)

    und noch so ein herrliches, einfaches Rezept. Ich finde deinen text wunderbar und zeigt genau auf wie einfach das Puddingherstellen (Falmmerie kennen wir in der Schweiz wohl gar nicht, bei uns heisst das dann eher Flan, was wohl vom Französischen kommt) ist. Trotz einfachheit noch mit der Kokosmilch mact es das ganze doch wieder spziell. ein gelungener Beitrag mit tollen Bilder.
    Liebs Grüessli us dr widmatt
    Irene

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