Gemüse satt: Gado-Gado

Geht es euch auch so, dass ihr im Moment immer mit viel zu vollen Taschen vom Markt (oder aus dem Supermarkt) kommt? Aber ehrlich, was soll man tun, wenn sich das frische Gemüse überall türmt und man weiß, dass in wenigen kurzen Monaten (oder sogar Wochen) die Saison für die meisten der guten Sachen wieder vorbei ist? Ich muss da einfach zugreifen. Wenn doch die Tomaten so gut aussehen, und die Bohnen, und Zucchini Rondini Fenchelknollen Salate Auberginen Paprika Blumenkohl Möhren … Kann man doch nicht einfach dran vorbeigehen!

Da hilft nur, möglichst viele Rezepte mit möglichst viel Gemüse in petto zu haben. So eins wie Gado-Gado. Dieser indonesische Gemüsesalat kam mir vor Kurzem wieder ins Gedächtnis, als wir für ein Wochenende in Berlin waren und dort (unter anderem) bei einem indonesischen Imbiss landeten. Übrigens war ich entsetzlich neidisch, als ich die geballte internationale Kulinarik-Vielfalt in der Hauptstadt sah. Hamburg kam mir plötzlich ziemlich provinziell vor! (Vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass ich das kulinarische Angebot hier halt kenne und für ziemlich gewöhnlich halte.) Ach ja, viel Streetart gibt’s dort auch zu sehen.

 

Zurück zu Gado-Gado. Das heißt im Grunde nichts anderes als Mischmasch, sagt Wikipedia: ein Mischmasch von verschiedenen gegarten Gemüsesorten nämlich. Bei mir hat sich auch eine ungegarte Gurke hinein verirrt, was für einen gewissen Crunch und ein frisches Element sorgt. Das Ganze wird mit Erdnuss-Sauce serviert und häufig noch mit gekochten Eiern, gebratenem Tempeh und Krupuk (Krabbenchips) garniert.

Von diesen möglichen Garnituren habe ich nur Tempeh verwendet, denn das mag ich ziemlich gerne, und ich bin immer froh, wenn ich es mal irgendwo unterbringen kann. Falls ihr Tempeh noch nicht kennt: Guckt mal im Bioladen beim Tofu nach einer wurstartigen Rolle. Nein, ich meine nicht Tofuwürstchen: Tempeh wird zwar auch aus Sojabohnen hergestellt, aber im Gegensatz zu den Würstchen ist es ein traditionelles Produkt ohne künstliche Geschmacks- und Zusatzstoffe, das in Indonesien vermutlich seit mehreren Hundert Jahren gegessen wird (die englische Wikipedia ist hier mal wieder etwas informativer). Um Tempeh herzustellen, werden Sojabohnen eingeweicht und angekocht, dann mit bestimmten Pilzsporen geimpft und fermentiert. Das Ergebnis ist ein fester Block, in dem die einzelnen Bohnen noch erkennbar, aber durch den Pilz fest miteinander verbunden sind. Diese Herstellungsmethode sorgt dafür, dass die Hülsenfrüchte besser verdaulich sind und ihre Proteine leichter vom Körper aufgenommen werden können.

Aber um den Gesundheitsaspekt geht’s mir nur in zweiter Linie: In erster finde ich Tempeh ziemlich lecker. Tempeh wird meistens gebraten oder frittiert verwendet. Pur schmeckt es etwas nach Bohne und etwas nach Pilz, gebraten bekommt es außerdem einen irgendwie buttrigen Geschmack (finde ich). Außerdem wird es außen schön knusprig. Jedenfalls passt es perfekt zum Gado-Gado. Wenn ihr kein Tempeh bekommt, dann könntet ihr einfach hart gekochte Eier oder gebratene (oder frittierte) Tofuwürfel auf das Gemüse geben.

Cover EASTUnd die Erdnuss-Sauce natürlich. Die ist – machen wir uns nichts vor – schließlich das Wichtigste hier. Für diese habe ich mich von einem Rezept aus dem Kochbuch East. 130 Rezepte aus Südasien von Leanne Kitchen und Antony Suvalko (Hölker Verlag) inspirieren lassen. Das habe ich im letzten Jahr aus dem Englischen übersetzt und dabei nicht nur eine Menge über die verschiedenen südostasiatischen Küchen gelernt, sondern auch immer wieder richtig Lust bekommen, die Rezepte auszuprobieren. (Das geht mir durchaus nicht bei jedem Buch so, das mir beruflich unterkommt.) In dem Buch gibt es zwar kein Rezept für Gado-Gado, aber eins für Pecel, einen verwandten javanischen Gemüsesalat mit Erdnuss-Sauce. Nun ja, und dieses Erdnuss-Saucen-Rezept habe ich angeguckt – und dann doch einiges ganz anders gemacht. Geschmeckt hat mir das Ergebnis jedenfalls sehr, sehr gut. Und dass ziemlich reichlich Sauce da war, war auch kein Problem, denn die nascht sich auch nebenher so weg.

 

Gado-Gado

Bevor ich nun endlich zum Rezept komme, noch eine Anmerkung: Die Gemüsesorten können natürlich beliebig nach Marktsituation angepasst werden. Insofern ist diese Version nur ein Beispiel für das, was alles möglich ist. Wobei ich persönlich besonders gerne grünes Gemüse im Gado-Gado habe. Aber das ist eine Sache des persönlichen Geschmacks. Jetzt aber:

Gado-Gado
Quelle: 
Zubereitungszeit: 
Garzeit: 
Zeitbedarf gesamt: 
Portionen: 2-3
 
Zutaten
Für die Erdnuss-Sauce:
  • 2 große Knoblauchzehen
  • 2 frische Chilischoten
  • 250 ml Wasser
  • ½ EL Tamarindenpaste (siehe Anmerkung)
  • 1 EL Zucker (oder: geriebener Palmzucker)
  • 2 EL Ketjap manis (indonesische süße Sojasauce)
  • 125 g Erdnussmus
Für den Salat:
  • 150 g grüne Bohnen
  • 4 Bundmöhren
  • 1 Brokkoli
  • 1 dünne Lauchstange
  • 1 Mini-Salatgurke
Außerdem:
  • Salz
  • Öl zum Braten
  • 200 g Tempeh (Bioladen)
  • 50 g geröstete, gesalzene Erdnüsse
Anleitung
  1. Für die Erdnuss-Sauce den Knoblauch schälen und hacken. Die Chilis putzen, längs aufschlitzen, Stiel und Samen entfernen und die Chilihälften fein würfeln. 1 EL Öl in einem Topf erhitzen, Knoblauch und Chili darin 2 Minuten anschwitzen. Wasser, Tamarindenpaste, Zucker und Ketjap manis zugeben, alles aufkochen und das Erdnussmus mit einem Schneebesen einrühren. Die Sauce 5 Minuten bei kleiner Hitze köcheln lassen. Falls sie zu dick wird, noch Wasser zufügen. Die Sauce mit Salz abschmecken und beiseitestellen.
  2. Für den Salat die Bohnen waschen, putzen und falls nötig entfädeln. Sehr lange Bohnen halbieren. Die Möhren putzen, gründlich waschen oder schälen und in Stifte schneiden. Den Brokkoli in Röschen teilen, den Stiel schälen und würfeln. Den Lauch gründlich waschen und schräg in Stücke schneiden. Die Gurke waschen, längs halbieren und in Scheiben schneiden.
  3. Das Gemüse (bis auf die Gurke) dämpfen. Ich habe dazu einfach alles nacheinander in einen großen Topf mit Dämpfeinsatz gegeben und jeweils gesalzen. Die Möhrenstücke durften zuerst hinein. 2 Minuten später die Bohnen, weitere 3 Minuten später Brokkoli und Lauch. Alles zusammen 4 weitere Minuten dämpfen (mit einer Messerspitze prüfen, ob das Gemüse gar ist).
  4. Das gedämpfte Gemüse mit den Gurkenstücken auf einer Platte oder in einer Schüssel anrichten. Den Tempeh in ca. 1 cm dicke Scheiben schneiden. Die Erdnüsse grob hacken. 3 EL Öl in einer Pfanne erhitzen und die Tempehscheiben darin von beiden Seiten in je 3 Minuten goldbraun und knusprig braten.
  5. Das Gemüse mit etwas Erdnusssauce beträufeln (den Rest getrennt dazu reichen). Den Tempeh darauf anrichten und das Ganze mit Erdnüssen bestreuen. Man kann Gado-Gado heiß, lauwarm oder kalt essen, mit Reis oder ohne (wie praktisch).
Anmerkungen
Tamarindenpaste: Ich kaufe ehrlich gesagt immer welches aus dem Glas, aber die orthodoxe Methode sieht vor, ein Stück von diesen gepressten Blöcken Tamarindenmark in heißem Wasser einzuweichen und durch ein Sieb zu streichen.

Das hier ist übrigens endlich mal wieder ein Beitrag zum #tierfreitag: Denn mein Gado-Gado kommt völlig ohne tierische Produkte aus („mein“ Gado-Gado deshalb, weil traditionell in der Erdnuss-Sauce oft Garnelenpaste eingesetzt wird).

tierfreitag

Also: Nutzt das Angebot an frischem Gemüse, kauft, was euch anlacht, und macht Gado-Gado!

2 Gedanken zu “Gemüse satt: Gado-Gado

  1. multikulinaria

    Ich kannte Gado-Gado bisher nur als Erdnuss-Würze aus der Packung. Wieder was gelernt … Danke auch für die Tempeh-Nachhilfe. Danach werde ich beim nächsten Asia-Laden-Besuch definitiv Ausschau halten. Und frisches Sommergemüse ist eh immer gut.

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