Über das Bloggen I: Foodbloggercamp in Berlin

Was machen Bloggerinnen eigentlich, wenn sie nicht bloggen? Kann man sich ja schon mal fragen, wenn – wie hier neulich – in einem Blog länger nichts Neues mehr zu lesen ist. Andererseits lautet die Antwort meistens so banal wie erwartbar: sich mit dem Rest ihres Lebens beschäftigen.

Nicht selten beschäftige ich mich allerdings auch dann mit dem Bloggen, wenn hier gar nichts davon zu merken ist. Dann denke ich mir Rezepte aus oder koche (manchmal auch mehrmals, bis das Ergebnis stimmt). Ich moderiere und beantworte Kommentare. Ich lese Bücher, die ich rezensieren möchte. Ich fotografiere oder versuche stümperhaft, aus zu dunklen Fotos per Bildbearbeitung doch noch was Brauchbares zu machen.

Kürbis-Fregola-Salat dunkles Foto

Ob sich aus diesem Foto noch etwas machen lässt?

Oder ich fische aus meinem E-Mail-Postfach komische „Kooperations“-Anfragen von Firmen oder Agenturen, die möchten, dass ich für Ruhm und Ehre ihr supertolles Produkt in meinem Blog vorstelle. Und die Produktprobe dürfe ich sogar behalten! (Solche Angebote sind, um es mal deutlich zu sagen, indiskutabel. Und im Moment habe ich sowieso nicht vor, in meinem Blog Werbung zu machen, auch wenn ich das nicht grundsätzlich verteufeln möchte.)

Was alles an Arbeit hinter den Kulissen eines Foodblogs anfällt, hat vor Kurzem Steph vom Blog Kleiner Kuriositätenladen aufgeschrieben. Vor ihr, ihrer Professionalität und ihrem langen Atem kann ich nur den Hut ziehen. Das tue ich hiermit und schicke euch zu ihr rüber, wenn euch interessiert, was Foodbloggen bei einem einigermaßen hohen Anspruch alles an Arbeit bedeuten kann.

Ich habe da noch einiges zu lernen. Und genau deshalb bin ich während meiner gerade vergangenen Blogpause auch in Blogmission unterwegs gewesen: beim Foodbloggercamp in Berlin nämlich. Ein solches Barcamp fand schon zum zum zweiten Mal in Deutschland statt; beide Male organisiert von Melanie und Jan. Barcamp? Das ist eine Un-Konferenz, bei der das Programm nicht vorher feststeht, sondern erst vor Ort mehr oder minder spontan nach den Bedürfnissen der Teilnehmenden festgelegt wird.

Bei einem Foodbloggercamp sieht das zum Beispiel so aus: Nach einem ausgiebigen Frühstück mit Kennenlernen („Ach, du bist die vom Blog XY? Das lese ich schon lange!“) werden Themen für Sessions (= 45-minütige Workshops) gesammelt. Die einen schlagen etwas vor, weil sie sich damit ein bisschen auskennen und dieses Wissen weitergeben können: Sushi rollen zum Beispiel, WordPress installieren, geklaute Bilder im Internet aufspüren und gegen den Klau vorgehen oder mit Wildpflanzen kochen. Die anderen suchen Austausch zu bestimmten Themen: zu Bloggingplattformen, zum Umgang mit Unternehmenskooperationen oder zu Blogs mit Nischenthemen. Und dann gibt es noch diejenigen, die Fragen haben oder sich etwas zeigen lassen möchten: wie man zum Beispiel aus Foodfotos, die ohne Tageslicht geschossen wurden, durch Bildbearbeitung etwas Brauchbares macht, oder wie man Geflügel gekonnt zerlegt.

Alle erwähnten Sessions wurden in Berlin tatsächlich gehalten – und nicht nur die: Das Programm für die zwei Tage war pickepackevoll, und ich bin sehr bereichert (aber auch hundemüde) wieder nach Hause gefahren. Die wichtigsten Punkte, die ich für mich mitgenommen habe:

Sketchnotes Foodbloggercamp Foodstyling

  • Mitschriften aus Vorträgen, Meetings oder Seminaren kann man im Nachhinein eher wieder anschauen (und nachvollziehen), wenn sie mit Bildern arbeiten. Nennt sich heute Sketchnotes und wurde uns von Nicole (Livelifedeeplynow) nähergebracht.
  • Die geborene Foodstylistin bin ich eher nicht. Aber von Lena (Coconut & Vanilla) und Denise (Foodlovin‘) habe ich mir zumindest die Anregungen mitgenommen, dass sich Essen auf kleineren Tellern einfach hübscher anrichten lässt und dass Nudeln besser aussehen, wenn sie mit einer Prise Kurkuma beim Kochen leicht gelb gefärbt wurden.
  • Messerschleifen hat tatsächlich weniger von einer Geheimwissenschaft, als einem häufig vorgegaukelt wird. Das konnte Viola Wüsthof (Firma Wüsthof) deutlich machen. Wichtig ist, die Klinge im 20-Grad-Winkel über Wetz- oder Schleifstahl bzw. Schleifstein zu ziehen. Und den 20-Grad-Winkel kriegt man hin, wenn man die Klinge im 90-Grad-Winkel aufstellt, den halbiert (45 Grad) und noch mal halbiert (ca. 20 Grad).
  • Das Blog durch eigene Kochvideos zu ergänzen, macht Spaß und bringt neue Leser_innen, wie Antje (The Krauts) berichten konnte. Und sooo viel technische Ausrüstung ist dafür auch gar nicht nötig. Dafür stecken in jedem 5-Minüter um die acht Stunden Arbeit. (Ich überleg mir das noch mal.)

Gefreut habe ich mich, dass ich selbst Wissen teilen konnte: Auf meine Session „Wie schreibt man hilfreiche Rezepte?“ und die mit Jule (Mizzis Küchenblock) zusammen gehaltene über die Basics von Urheber-, Zitat- und Bildrecht gab es viel positive Resonanz – und ich habe mal wieder gemerkt, wie viel Spaß es mir so was macht!

Vor, zwischen und nach dem eigentlichen Programm gab es natürlich jede Menge gute Gespräche, viel Inspiration und die Erkenntnis: Auch wenn Foodblogger ein gemeinsames Interesse haben – es sind die unterschiedlichsten Menschen darunter. Das war spannend, horizonterweiternd und manchmal natürlich auch ein bisschen anstrengend. Übrigens habe ich gemerkt, dass ich zumindest in einem Punkt wohl deutlich anders ticke als die meisten: Ich stürze nicht automatisch begeistert zum Herd, sobald ich unverarbeitete Lebensmittel sehe. Die unausgesprochene Annahme, dass sich das Camp schon selbst verpflegen wird, hat mich etwas überrascht. Ich bin nämlich überhaupt kein Teamplayer in der Küche und hatte daher keinerlei Lust, mich irgendwelchen Grüppchen anzuschließen und kollektiv zu kochen.

Was ich auch gelernt habe – darüber hatte ich mir, ehrlich gesagt, vorher gar keine Gedanken gemacht: Eine solche Veranstaltung funktioniert nur mit der Unterstützung von Sponsoren. Wer teilnimmt, nimmt also auch ein klitzekleines bisschen an einer Verkaufsveranstaltung teil – und wer als Blogger_in teilnimmt, wird quasi Teil des Deals, dass über die Sponsoren nachher auch gesprochen bzw. geschrieben wird.

Das wird mir zum Glück dadurch erleichtert, dass sich einige der Sponsoren selbst als Barcamp-Teilnehmer eingebracht, Wissen geteilt und mitdiskutiert haben: vor allem Jule von Hädecke, Sebastian von Küchenatlas,  Andreas von Pilzpaket und Viola von Wüsthof. So haben wir nicht nur materiell profitiert, und ich kann ganz ehrlich sagen, dass mir die Begegnungen ebenso Spaß gemacht haben wie die mit anderen Foodblogger_innen. Das war mir wichtiger, als hinterher schwere Goodie-Bags davonzuschleppen.

Ein großes Dankeschön an Mella und Jan sowie allen Helferinnen und Helfern für die Organisation des Foodbloggercamps! Ich war gerne dabei.

Übrigens: Hier werden die Berichte der anderen Teilnehmer_innen gesammelt.

Folgende Sponsoren haben dazu beigetragen, dass das Foodbloggercamp stattfinden konnte:

Villeroy & Boch Wüsthof REWE Kochatelier nu3 SonnentorSüdtirol Deli Jamie Küchenatlas Kikkoman Hädecke Plose XBuntwildX Schokolade trifft Kunst XGAZIX Pilzpaket walls.io Brandwatch

7 Gedanken zu “Über das Bloggen I: Foodbloggercamp in Berlin

  1. Lena

    Liebe Sabine,
    peinlicherweise ist es völlig an mir vorbeigegangen, dass DU die Mitautorin bist von einem tollen Buch, dass ich erst kürzlich in den Händen hielt! Wow! Leider fanden parallel zu deinen spannenden zwei Session noch andere spannende Sessions statt in denen ich dann war ;) (der Fluch eines Barcamps).
    Es ist beruhigend zu lesen, dass ich nicht die einzige bin die anders tickt was die Verpflegung angeht. Auch ich war nicht gewillt zu kochen und mir war das einfach zu viel. Hier wäre mir eine organisierte Verpflegung von extern lieb gewesen.
    Hoffentlich sieht man sich bald mal wieder!
    Schöne Grüße

    1. Sabine Schlimm Artikel Autor

      Hi Lena, o je, Deinen Kommentar habe ich gerade erst gesehen – der war bei mir im Spamfilter gelandet. Sorry! Ja, es gab so unglaublich viele tolle Sessions, dass die Auswahl echt schwer war. Aber es gibt ja hoffentlich weitere Foodbloggercamps!

  2. multikulinaria

    Danke für den Bericht, der einerseits schlechtes Gewissen aufflammen lässt, da meiner noch meilenweit entfernt scheint, andererseits aber auch durch allerlei Anderes fast schon verschüttete Erinnerungen auffrischt. Anstrengend wars und in der so genannten Pause erwartete ich auch, sitzen und essen zu dürfen. Hat ja am 2. Tag viel besser geklappt. ;-) Die Themenmischung fand ich super. Man hätte sich gelegentlich zwei- wenn nicht gar dreiteilen mögen …

    1. Sabine Schlimm Artikel Autor

      Ja, das mit dem Dreiteilen möge bitte rechtzeitig zum nächsten Foodbloggercamp erfunden werden! Ich hätte nämlich auch sehr gerne bei Euren Wildpflanzensessions mitgemacht. Nun ja. Dafür habe ich mich gefreut, dass wir uns endlich mal ganz real begegnet sind!

  3. Markus

    Sehr schön :-) Die vielfältigen Eindrücke des #fbcb weigern sich bei mir noch, sich in eine halbwegs kohärente Form gießen zu lassen. Aber das wird schon noch…
    Ich fands im Übrigen auch sehr toll, sowohl Dir als auch Peggy „in echt“ zu begegnen (und noch einigen mehr) Und hätte mir am Anfang nicht träumen lassen, gleich eine Session mit zu gestalten. Hat Spaß gemacht, Peggy :-)
    Ich bin gespannt auf Dein How-To zum Rezepteschreiben, Sabine. Der professionelle Blick darauf ist einfach interessant.

    1. Sabine Schlimm Artikel Autor

      Danke, Markus! Na ja, kohärente Form … Ich hatte irgendwann nicht mehr den Anspruch, alle meine Eindrücke in einen Artikel zu packen. Dazu war’s zu viel. Und das How-to kommt! Dauert aber noch die eine oder andere Woche.

  4. Pingback: Rezepte schreiben: Eine Anleitung in 10 Geboten | Schmeckt nach mehr

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