Dukkah und die Sache mit den selbst gemachten Geschenken

Banner kulinarischer AdventskalenderHurra, ich bin ein Adventskalendertürchen! Nämlich in Zorras traditionellem Kulinarischen Adventskalender im Kochtopf-Blog: 24 Tage lang stellen verschiedene Foodbloggerinnen und -blogger ihre festlichen, schnellen oder aufwendigen, jedenfalls weihnachtlichen Rezepte vor, und außerdem gibt es jede Menge Preise zu gewinnen.

Dass ich dieses Mal dabei sein darf, ehrt mich sehr. Mitgebracht habe ich euch ein Rezept für Dukkah, eine ägyptische Nuss-Gewürz-Mischung (die manchmal auch Dukka oder Duqqa geschrieben wird). Was daran weihnachtlich sein soll? So einiges! Zum einen kann man in einer Zeit, in der einem Schokolade zu den Ohren und Glühwein zu sämtlichen Poren herauskommt, nichtsüße Rezepte verdammt gut gebrauchen. Stundenlanges Küchenwerkeln im Plätzchenduft und unter ständiger Teignaschversuchung lösen bei mir nämlich zuverlässig einen Jieper nach Salzigem aus: Wehe, wenn da Chips im Haus sind! Da kann Dukkah, einfach aufs Butterbrot (oder, ganz tugendhaft: auf Möhrensticks) gestreut, die Rettung bedeuten.

Dukkah Gewürzmischung

Zum zweiten kann Dukkah natürlich viel mehr, als nur das Gegenmittel für den Süßigkeiten-Overkill abzugeben. Sie kann zum Beispiel ganz wunderbar den stressfreien Auftakt zu einem festlichen Menü bilden: einfach etwas Gewürzmischung in ein Schälchen geben, ein weiteres Schälchen mit gutem Olivenöl danebenstellen, Weißbrot (oder Rohkoststicks) dazu – und dann dürfen die Drinks serviert werden.

Drittens ist die Zubereitung so unaufwendig, dass sie selbst in die hektische Weihnachtszeit noch hineinpasst. Zumal Haselnüsse sowieso meistens schon fürs Backen vorrätig sind. Noch Sesam und Gewürze dazu, ein bisschen rösten, ein bisschen mörsern (oder gleich den Blitzhacker oder die Küchenmaschine die Arbeit machen lassen), fertig. Aber der nussig-warmwürzige Effekt ist trotzdem … wow. Und er bleibt über Weihnachten hinaus erhalten. Dukkah kann man ganz gut ein paar Wochen oder Monate aufheben (irgendwann werden natürlich Nüsse und Sesam ranzig). Sie passt aufs Brot, aufs Frühstücksei, zu gedünstetem Gemüse, als schnelle Würze für Reis oder Couscous; sogar eine schnelle Beigabe zu Pasta wird mit etwas Olivenöl daraus. Eine Gewürzmischung also, die man gut dahaben kann.

Dukkah Gewürzmischung

„Oder … man kann sie verschenken!“

Wer war das? Wer hat das gesagt? Also, von mir kam das nicht! Ich habe nämlich ein zwiespältiges Verhältnis zu Geschenken aus der eigenen Küche. Na gut, hatte ich nicht immer. Es gab mal eine Zeit, da war ich ganz begeistert von der Idee, sämtliche Geschenke selber zu machen. Vor allem in dem Jahr, als ich gerade Hause ausgezogen war und von meinem Studentenbudget die Miete für mein Wohnheimszimmer, das Mensa-Essen und dicke Unibücher bezahlen musste. In dem Moment erschien es mir total logisch, vor Weihnachten große Bastel- und Kochaktionen zu starten, um so alle beschenken zu können, die ich beschenken wollte. (Ich hätte mich zur Finanzierung dieser Geschenkorgie vermutlich besser mit der Blockflöte in die Bonner Fußgängerzone gestellt. Aber auf diese Idee kam ich nicht.)

Zum Glück wohnten auf meiner Wohnheimsetage noch ein paar andere bastelbegeisterte Frauen. Ja, Frauen: Es war ein katholisches Wohnheim, in dem die Geschlechter schön auf unterschiedliche Etagen verteilt waren. Über die Tugend des ganzen Hauses wachte der Hausmeister. Unsere vorweihnachtliche Geschenkewerkstatt wurde in der Küche aufgeschlagen, die wir uns mit 19 Frauen teilten. Dort malten und klebten und laubsägten wir, was das Zeug hielt. Aber für meine Patentante reichten mir die Ergebnisse dieser Aktionen noch nicht. Für sie sollte es etwas Besonderes sein, denn die ersten zwei Monate des Semesters hatte ich bei ihr gewohnt, weil das Wohnheimszimmer nach einer Renovierung noch nicht fertig gewesen war. Das schrie nach einem angemessenen Dankeschön.

Also blätterte ich durch einen uralten Jahrgang einer traditionsreichen Kochzeitschrift, den sie mir geschenkt hatte, und blieb an dem Rezept für Petits Fours hängen: kleine zuckersüße Bissen aus Biskuit- und Cremeschichten, mit Zuckerguss überzogen und hübsch verziert. Ja, die machten wirklich was her! Und mit einer angegebenen Arbeitszeit von rund drei Stunden hielt sich der Aufwand auch in Grenzen. Dachte ich.

Also schrieb ich einen Einkaufszettel. Der ziemlich lang wurde, denn natürlich konnte ich noch nicht auf irgendwelche Vorräte zurückgreifen. Ich war ja gerade erst von zu Hause ausgezogen. Und natürlich hielt ich mich sklavisch an das Rezept, denn die Sache sollte ja unbedingt gelingen. Ich weiß noch, dass ich in x Geschäften nach kandierten Veilchenblüten fragte, nur um diesen Punkt irgendwann notgedrungen zu streichen: Das Gesuchte war in Bonn nirgends zu bekommen. Aber ich kaufte den Arrak, von dem ich einen Esslöffel brauchte, um Creme 1 zu aromatisieren, und den Rum für Creme 2. Und Marzipanrohmasse und Lebensmittelfarben und Puderzucker in rauen Mengen. Und wunderte mich sehr, dass am Ende nicht nur mein Portemonnaie leer war, sondern auch mein Konto.

Aber zu diesem Zeitpunkt hatte ich die Zutaten ja schon, also gab es nur einen Weg: vorwärts. Insgesamt drei Abende arbeitete ich an den Petits Fours und belegte dafür die gesamte Küche. Genügend Schüsseln musste ich mir zusammenleihen, überall stand Abwasch herum, und Mitbewohnerin Bärbel konnte keine Tiefkühlpizza machen, weil der Biskuitteig beide verfügbaren Backbleche belegte. Um die fertig geschichteten cremegefüllten Kuchen zu kühlen, okkupierte ich eine der drei Duschen, die wir uns zu neunzehnt teilen mussten, riss das Fenster auf und schloss die Tür mit einer Münze ab. Duscherinnen – Pech gehabt. Hier befand sich jetzt der Kühlraum der Konditorei Sabine.

Irgendwie bekam ich die Petits Fours fertig. Sie sahen nicht ganz so aus wie auf den Fotos aus der Zeitschrift, aber immer noch sehr beeindruckend – fand ich. Stolz wie Bolle überreichte ich das hübsch eingepackte Geschenk meiner Patentante, mit der strengen Anweisung, es erst Heiligabend zu öffnen. Dann reiste ich über Weihnachten nach Hause. Als ich Tante Ina wiedersah, frage ich gespannt: „Und? Wie waren die Petits Fours?“

Und sie sagte: „Och, ganz lecker. Aber die hübsche Schachtel, in die du sie gepackt hast – wo hattest du die denn her?“

Nie wieder habe ich in großem Stil Selbstgemachtes verschenkt: zu teuer, zu viel Aufwand. Das kann ich mir nicht leisten! Obwohl: Vielleicht überlege ich noch mal. Die Dukkah, die würde sich nämlich wirklich als kleines Geschenk gut eignen.

Dukkah im Geschenkglas

 

Dukkah (ägyptische Nuss-Gewürz-Mischung)
Quelle: 
Zubereitungszeit: 
Garzeit: 
Zeitbedarf gesamt: 
 
Zutaten
  • 50 g Haselnusskerne
  • 30 g Sesam
  • 20 g Koriandersamen (= 4 EL)
  • 1 TL schwarze Pfefferkörner (nach Belieben)
  • 2 TL Kümmel (ganze Samen)
  • 1 TL Kreuzkümmel (ganze Samen)
  • 1 gestrichener TL Fleur de Sel
Anleitung
  1. Erst die Haselnüsse, dann den Sesam und schließlich die gemischten Gewürze in einer Pfanne ohne Fett unter Rühren bei mittlerer Hitze anrösten, bis die Zutaten duften.
  2. Alle Zutaten in einem Mörser, einem Blitzhacker oder einer Küchenmaschine zerkleinern. Die Mischung soll nicht zu fein werden – Achtung bei Maschinenkraft: Werden die Nüsse und Sesamsamen zu lange gemixt, dann tritt ihr Öl aus, und es entsteht eine Paste statt einer Gewürzmischung.
  3. Die Mischung in Gläschen abfüllen und die nach Wunsch zum Verschenken fein machen.
Anmerkungen
Dieses Rezept ergibt ca. 120 Gramm bzw. 250 Milliliter Dukkah.

 

 

15 Gedanken zu “Dukkah und die Sache mit den selbst gemachten Geschenken

  1. Birgit D

    Mmmmh – welch ein Aroma hinter dem 15. Türchen ?
    Liebe Sabine,
    ich mache auch nicht alle Geschenke selbst, aber das eine oder andere für besonders liebe Menschen – das muss bei mir einfach sein ?
    Da ich Gewürze sehr liebe, stelle ich viele meiner Gewürzmischungen selbst her. Dukkah kannte ich bisher noch nicht, werde es aber sofort in meine Sammlung aufnehmen. Vielen Dank für das schöne Rezept. ?
    Eine schöne Vorweihnachtszeit
    Birgit

  2. Gabi

    Liebe Sabine,

    Geschenke aus der Küche macht gerade meine fast 14 Jährige. Z.B. Knuspermüsli für die Freundin. Finde ich nett. Deine Idee könnte was für die Onkels und Tanten sein. Ich leite ihr dein Rezept gleich mal weiter :-)

    Gruß von Gabi

  3. Claudia

    Oh, das klingt wunderbar!
    Muss man wirklich alles nacheinander rösten oder könnte man zumindest die Gewürze gleichzeitig in die Pfanne geben?

    1. Sabine Schlimm Artikel Autor

      Klar, die Gewürze können zusammen geröstet werden, das war missverständlich ausgedrückt. Schon geändert – danke für den Hinweis! Dass Nüsse und Sesam möglichst nicht gemeinsam in die Pfanne sollten, liegt einfach daran, dass die bei ihrer unterschiedlichen Größe natürlich verschiedene Röstzeiten haben. Es ist besser, das nacheinander zu machen. Viel Erfolg!

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