Brotaufstrich des Monats Oktober: Rote-Bete-Aufstrich mit Chiasamen

Rote Bete wohl nicht gerade das Gemüse mit den höchsten Sympathiewerten. Gefühlten 60 Prozent der Leute fällt dazu entweder ein: „Bäh, die schmeckt irgendwie  so erdig!“ Oder: „Iiih, die gab es früher immer nur aus dem Glas. Habe ich als Kind schon gehasst!“ Und dann gibt es noch eine Schnittmenge, die den purpurroten Knollen gleich beides vorwirft.

Ich mag ja Rote Bete. (Das Einzige, was ich nicht mag, ist die Schreibweise „Rote Beete“, die aus einem mir unerfiindlichen Grund inzwischen vom Duden zugelassen ist. Rote Beete? Ich bitte euch. Das sind für mich höchsten Beete, in denen rote Tulpen wachsen. Ende des Lektorinnen-Geschimpfes.)

Wo war ich? Ach ja: Ich mag Rote Bete, und ich finde wirklich, das Gemüse hat viel Liebenswertes. Zum einen schon mal die Gute-Laune-Farbe, außerdem die leichte Süße und die Tatsache, dass die Knollen im Kühlschrank klaglos auch die dritte Kochplanänderung überstehen und einfach geduldig abwarten, bis sie dann doch endlich an die Reihe kommen. Und außerdem ist Oktober und damit höchste Zeit, sich mit sämtlichen Knollen- und Wurzelgemüsen auszusöhnen. Denn wenn alle diejenigen, die von „saisonal und regional“ schwärmen, damit Ernst machen, dann steht in den kommenden Monaten viel davon auf dem Tisch.

Rote-Bete-Aufstrich mit Chiasamen

Vielleicht sogar zum Frühstück? Mit diesem Brotaufstrich kriegt schon das morgendliche Brötchen eine Farbe ab, die definitiv schicker ist als die einer gewissen Schokocreme. Außerdem sorgen Ingwer und Kokosmilch dafür, dass das Ganze schön frisch und sanft schmeckt. Hier ist nicht mal mehr ein Hauch von Erdigkeit zu ahnen! Einwand Nummer eins wäre damit entkräftet, und Einwand Nummer zwei ist damit eigentlich auch gleich mit verschwunden, denn: Mit den säuerlichen Riffelscheiben aus dem Glas hat dieser süßlich-cremige nun wirklich nicht die geringste Ähnlichkeit.

Weil aber püriertes Gemüse plus Kokosmilch in der Regel so weich und flüssig wird, dass es sich nicht mehr als Brotaufstrich eignet, kommt bei dieser Creme eine weitere Zutat ins Spiel: Chiasamen. Diese winzigen und unglaublich quellfähigen Samen haben – mit kräftiger Unterstützung durch die Vegan-und-Raw-Bewegung – bei uns in letzter Zeit eine unglaubliche Karriere von „Hä? Nie gehört!“ zum hochgejubelten Superfood hingelegt. Superfood, weil: Ballaststoffe! Omega-3-Fettsäuren! Antioxidantien!

Chiasamen

Ehrlich: Mich macht so was ja immer eher misstrauisch. Man verwendet im Durchschnitt so ungefähr ein, zwei Teelöffel voll – auch ein vergleichsweise hoher Gehalt an irgendwelchen tollen Inhaltsstoffen schrumpft sich dann vermutlich auf eher zu vernachlässigende absolute Maße zurecht. Aber sei’s drum. Jedenfalls wohnt auch in meiner Küche seit ein paar Monaten eine Dose mit Chiasamen, und ich finde durchaus, die haben ein paar nette Anwendungsmöglichkeiten. Mit Kokos- oder Haselnussmilch ergeben sie nach kurzer Quellzeit eine Art Pudding, den ich mag, und ich gebe morgens ein Löffelchen Samen ins Müsli, weil ich finde, dass es dann länger satt macht.

Um etwas mit Chia zu bloggen, brauchte es allerdings einen Stupser von meiner lieben Netzwerkkollegin Britta: Abgesehen davon, dass ich Chiapudding sehr wenig fotogen finde, dachte ich auch immer noch, Chiasamen seien bisher höchstens in Foodblogger- und Veganerkreisen bekannt. Erst Britta hat mich darauf hingewiesen, dass Chiasamen inzwischen überall in Bioläden, Reformhäusern und sogar normalen Supermärkten herumstehen und langsam, aber sicher ihren Exotenstatus ablegen. Daher traue ich mich und sage: Haltet mal die Augen offen danach! Es gibt übrigens schwarze (häufiger) und weiße Samen (seltener). Geschmacklich macht das keinen Unterschied; ich habe helle gekauft, weil die oft appetitlicher aussehen. Und erschreckt nicht vor dem Preis, denn tatsächlich braucht man so wenig, dass eine Packung oder Dose ewig reicht. Und hier erweisen sich Chiasamen eben wirklich als nützlich, um den Aufstrich zu binden. Probiert’s doch mal aus!

Und da dieser Brotaufstrich, wie alle meine Brotaufstriche des Monats, aus gutem Grund ohne tierische Produkte auskommt, schicke ich ihn wieder zum #tierfreitag:

tierfreitag

Rote-Bete-Aufstrich mit Chiasamen
Quelle: 
Zubereitungszeit: 
Garzeit: 
Zeitbedarf gesamt: 
 
Zutaten
  • 1 walnussgroßes Stück frischer Ingwer (ca. 15 g)
  • 300 g gegarte Rote Bete (siehe Bemerkung unten)
  • 150 ml Kokosmilch
  • 1,5 TL Chiasamen
  • Salz
  • Cayennepfeffer
Anleitung
  1. Den Ingwer schälen und fein reiben oder hacken. Die Rote Bete grob in Stücke schneiden und in einen hohen Rührbecher geben. Ingwer und Kokosmilch dazugeben und alles mit dem Pürierstab pürieren (ganz fein oder noch ein bisschen stückig, wie gewünscht).
  2. Die Chiasamen unterrühren und den Aufstrich mit Salz und Cayennepfeffer abschmecken. Den Aufstrich mindestens 30 Minuten durchziehen lassen, damit die Chiasamen quellen können – noch besser: über Nacht im Kühlschrank ruhen lassen.
  3. Vor dem Servieren noch einmal abschmecken und falls nötig nachsalzen.
Anmerkungen
Das Rezept ergibt ca. 450 g Aufstrich, also ein großes Marmeladenglas voll.
Ich habe die Rote-Bete-Knollen dafür im Backofen gebacken: einfach ungeschält bei 200 °C (Ober-/Unterhitze). Je nach Größe dauert es 40 Minuten bis 1 Stunde, bis sie weich sind (mit der Messerspitze prüfen!). Aber ehrlich: Es lassen sich auch vorgegarte Rote Bete aus der Folienverpackung verwenden. Es kann sein, dass dann mehr Chiasamen notwendig sind, weil der Feuchtigkeitsgehalt der eingeschweißten Knollen höher ist als der von gebackenen.

 

5 Gedanken zu “Brotaufstrich des Monats Oktober: Rote-Bete-Aufstrich mit Chiasamen

  1. Andrea

    Hmmmm, ich gehöre eindeutig zu den 40%! Wahrscheinlich esse ich sogar so viel Rote Bete, dass ich prozentual gesehen noch einige Rote-Bete-Hasser aufwiege. Ob roh, gebacken, gekocht – egal! Da muss ich diesen hübschen Brotaufstrich unbedingt ausprobieren – auch wenn ich mir beim Lesen absolut nicht vorstellen kann, wie das schmecken soll?!?! Aber in ein paar Tagen werde ich es wissen :-) Danke für das Rezept!

  2. Ulrike

    Hallo Sabine, gerade habe ich mein Abendessen mit Roter Bete beendet – ich liebe Rote Bete von der Knolle bis zu den Blättern, roh als Salat mit Walnüssen und Olivenöl, kurz in der Pfanne angedünstet mit Schafskäse (gabs heute), als Suppe mit Kokosmilch und Ingwer, als Saft mit Möhren und Fenchel aus dem Entsafter. Nur die eingelegte Rote Bete lässt mich kalt. Und die Blätter im Salat oder im Gemüse – wie Spinat – habe ich dank der Gemüsefrau auf dem Markt für mich entdeckt. Die enden nicht als Kaninchenfutter, sondern werden verwertet.
    Die Aufstrichcreme werde ich sicher ausprobieren. Ich hatte mich eh schon gefragt, was diese Chiasamen sein sollen, die es wirklich überall gibt mittlerweile.
    Danke für das Rezept.

  3. elba

    Jetzt habe ich als Aufstrichneuling diesen Aufstrich probiert. Ich finde die Kombi Rote Bete und Kokosmilch toll. Die gekauften Rote-Bete-Aufstriche sind ja meistens mit Meerrettich, und dem kann ich nichts abgewinnen. Aber nächstes Mal werde ich nur halb so viel Ingwer nehmen, da er mir so zu ingwerlastig ist.
    Da ich alleine vor den selbstproduzierten Aufstrichen sitze und diesen hier z.B. bestimmt nicht in 4 Tagen auf habe, habe ich einfach mal die Hälfte eingefroren. Geht das theoretisch mit allen Aufstrichen oder gibt es irgendwas, was die -18 Grad nicht verträgt? Z.B. Linsen, Kichererbsen?
    Danke schon einmal für die Antwort. :-)

    1. Sabine Schlimm Artikel Autor

      Freut mich, dass Dir der Aufstrich schmeckt! Mit dem Einfrieren habe ich bisher gemischte Erfahrungen gemacht. Die Konsistenz ist nach dem Auftauen einfach eine andere – oft irgendwie grisselig. Bei Pasten mit Sojaghurt und Tofu, mit rohem Gemüse oder auf Kartoffelbasis geht’s leider gar nicht. Aber ich verbrauche Aufstriche häufig auch einfach in warmen Gerichten – indem ich sie zur Suppe verdünne oder als eine Art Pesto zu Nudeln gebe.

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