Blogwichtelbeitrag: Meine Gefühle zum Thema Essen

Manon GarciaEinmal im Jahr bewichteln sich die bloggenden Mitglieder des Netzwerkes Texttreff gegenseitig mit Blogartikeln. Diesmal hat mir Manon García einen Text geschenkt. Manon beschäftigt sich auf www.hochbegabt-oder-hochsensibel.manongarcia.de mit Hochbegabung, Hochsensibilität und Asperger. Hier schreibt sie darüber, wie diese Themen ihre Gefühle in Bezug aufs Essen beeinflussen. Danke, Manon!

Spät erkannte Hochbegabung und deren Folgen

Meine Hochbegabung entdeckte ich erst spät als 37-Jährige. Das war der Auslöser, um bei mir mal genauer hinzuschauen. Aus „ich bin falsch“ wurde „ich bin anders“. Als ich wusste, dass ich anders bin, und lernte, darauf stolz zu sein, spürte ich, wie sich vieles in meinem Leben änderte. Ich entdeckte mich komplett neu. Dazu gehörte, dass ich meine Hochsensibilität zuließ und auch ein Asperger-Syndrom bei mir vermute.

Hochsensibilität und Essen

Ich entwickelte mit der Zeit eine Sensibilität beim Essen. Aß ich früher Fast Food und Fertiggerichte ohne Probleme, spürte ich ab einem bestimmten Punkt eine immer größere Abneigung gegenüber diesem Essen. Ich fing an, bewusster zu essen. Dazu gehörte, dass ich beides aus meinem Leben strich und stattdessen jegliches Essen selber zubereitete. Erstaunlich finde ich, je mehr ich auf mein Essen achte, umso sensibler werde ich, sodass es in meinem Haus nichts Fertiges mehr gibt. Auch keine Soßen oder Ähnliches.

Natürlich entwickelte ich in diesem Zusammenhang auch einen Essensplan für mich. Es gibt so viele Vorschläge und Anleitungen für das „richtige“ Essen, dass einem schwindelig werden kann. Deshalb lernte ich, auf meinen Körper zu hören. Er sagte mir sehr genau, ob ich von einem Nahrungsmittel zu viel in letzter Zeit aß oder auch, wenn mir etwas fehlte und ich das verstärkt zu mir nehmen sollte. Ich bin sehr froh, dass ich in diesen Dialog mit mir selbst eintreten konnte, denn das bereichert mein Leben.

Asperger und Essen

Von Menschen mit Asperger ist bekannt, dass sie eine Struktur brauchen, die sich auch beim Essen äußert. Bei mir ist es auch so, dass ich monatelang dasselbe essen kann und mich jeden Tag aufs Neue wie verrückt darauf freue. Das Frühstück ist immer dasselbe, beim Mittagessen variiere ich zwischen fünf Gerichten, und abends bin ich flexibel und höre auf meinen Körper, was er sich wünscht.

Diese festgelegte Struktur hilft ungemein bei der Essensplanung und dem Einkaufen. Das leidige Suchen oder Überlegen, was ich kochen könnte, entfällt. Das Schöne an der Sache ist, dass ich mich auf das Essen freue und es genieße. Man könnte ja meinen, dass es auf Dauer langweilig wäre oder man das Essen über hat. Bei mir ist es nicht so.

Hochbegabung und Essen

Früher war ich rationaler und so gut wie gar nicht gefühlsbetont. Seit dem Testergebnis hat sich das gewandelt. Das Rationale war ein Schutz für mich, um mit dem Anderssein zurechtzukommen. Auch konnte ich mich so besser anpassen und funktionieren. Das brauchte ich nicht mehr, weshalb ich meine Gefühle freiließ. Das führte dazu, dass ich die Mahlzeiten genieße, mir Zeit nehme und zur Ruhe komme. Essen ist für mich eine Auszeit mit mir selbst geworden.

Ich danke Sabine Schlimm für die Möglichkeit, mir über mich, mein Essen und die dazugehörigen Gefühle Gedanken zu machen und mir so diese Zusammenhänge zu verdeutlichen.

 

2 Gedanken zu “Blogwichtelbeitrag: Meine Gefühle zum Thema Essen

  1. Pingback: Gefühle und Essen | Manon Garcia - hochbegabt oder hochsensibel

  2. Anja

    Hallo! Sehr schön zu lesen, dein Beitrag! Vielen dank, dass du so über deine Erfahrungen sprichst! ;) Ich wünsche dir noch einen schönen Abend und einen guten Rutsch in das neue Jahr! Viele Grüße vom schloss südtirol ! Anja

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