Rezepte schreiben: Eine Anleitung in 10 Geboten

Eine Anleitung fürs Rezepteschreiben – wer braucht denn so was? Zugegeben, die meisten Leute haben eine ungefähre Vorstellung davon, wie man ein Kochrezept verfasst: Zutatenliste, Anleitung, fertig. Wer die Sache aber schon mal von der anderen Seite betrachtet hat, also gelegentlich nach Rezept kocht, der weiß auch: Es gibt mehr und weniger hilfreiche Anleitungen. Im Laufe der letzten zehn Jahre habe ich Hunderte von Rezepten lektoriert, selbst geschrieben und übersetzt. Dabei habe ich eine ziemlich klare Vorstellung davon bekommen, wie man Leser_innen das Verständnis und das Nachkochen erleichtern kann – und wo umgekehrt die Quellen häufiger Missverständnisse liegen.

Für das Foodbloggercamp in Berlin habe ich diese Erfahrungen auf zehn wichtige Punkte eingedampft. Die Session dazu stieß auf ziemlich großes Interesse, was mich immer noch freut, und es wurde durchaus diskutiert. Nun habe ich an diesen zehn Punkten noch einmal herumgefeilt und alles ausformuliert. Das Ergebnis findet ihr in dem PDF, das ich unten verlinkt habe.

Ein bisschen provokant habe ich meine Grundregeln „zehn Gebote“ genannt. Allerdings droht niemandem ernsthaft Fegefeuer, der dagegen verstößt – und wie ich bereits beim Foodbloggercamp gemerkt habe, sind manche Dinge durchaus Ansichtssache. Aber ich bin von diesen Regeln überzeugt, und ich glaube auch, dass allzu viele Abweichungen dazu führen, dass Rezepte eher nicht nachgekocht werden: weil sie kompliziert wirken, weil sie Fragen offen lassen, weil sie Stolperfallen bieten. Und wer auch immer bis hierher gelesen hat, der oder die möchte vermutlich, dass die eigenen sorgfältig entwickelten Rezepte nachgekocht werden. Meine zehn Gebote sollen genau dafür sorgen.

Eine Warnung allerdings vorab (sie steht auch im PDF, ist mir aber so wichtig, dass ich sie hier auch noch einmal einfüge):

Das unmissverständliche Rezept gibt es nicht.

Ich habe in den letzten zehn Jahren diverse Leseranfragen zu Rezepten beantwortet, stapelweise Testkochbögen ausgewertet, regelmäßig in Blogs und Foren gelesen und mich mit vielen, vielen Leuten übers Kochen unterhalten. Wenn ich eins verstanden habe, dann das: Es lässt sich selbst mit der größten Sorgfalt nicht verhindern, dass beim Nachkochen von Rezepten Dinge nicht klappen, Fehler passieren, Anleitungen missverstanden oder überlesen werden.

Diese zehn Gebote (und ein gewisses Maß an Erfahrung) helfen dabei, bestimmte häufige Fehlerquellen auszuschalten. Eine Garantie bieten sie nicht.

Anleitung_Rezepte_Artikel

Die 10 Gebote im Überblick

  1. Ihr sollt es übersichtlich machen.
  2. Ihr sollt Portionenzahl und Zubereitungszeit angeben.
  3. Ihr sollt die Zutaten in der Reihenfolge ihrer Verarbeitung auflisten.
  4. Ihr sollt auch benötigte Geräte in der Zutatenliste angeben.
  5. Ihr sollt alle Arbeitsschritte nacheinander beschreiben.
  6. Ihr sollt genügend Zeit für die Arbeitsschritte einplanen.
  7. Ihr sollt genau erklären, was gemeint ist.
  8. Ihr sollt Von-bis-Angaben erläutern.
  9. Ihr sollt den Leuten Mühe ersparen.
  10. Ihr sollt sprachlich korrekt formulieren.

Und hier ist der Link zum Download des gesamten PDFs:

» Rezepte_schreiben_Anleitung (PDF)

Eine Bitte habe ich dabei: Ich freue mich natürlich, wenn diese Anleitung die Runde macht und weiterverteilt wird. Aber bitte verlinkt hierher, wenn ihr sie teilen wollt, und stellt sie nicht selbst zum Download zur Verfügung.

Danke!

Übrigens hat Sandra Schindler auf ihrem Blog neulich schon mal etwas dazu geschrieben, was aus ihrer Sicht bei Rezepten (und Kochbüchern) schieflaufen kann. An manchen Stellen sind wir uns einig, einiges ergänzt meine Punkte hier, und zu einigen Dingen habe ich auch eine andere Meinung. Aber lest selbst!

Und jetzt die spannende Frage: Wie seht ihr das? Alles altbekannt, manches neu, hilfreich oder nicht? Und vor allem: an welchen Punkten seid ihr anderer Meinung?

 

 

40 Gedanken zu “Rezepte schreiben: Eine Anleitung in 10 Geboten

  1. Pingback: Kochbuchlektorat – oder: Von guten und schlechten Kochbüchern | textmission

  2. Elke Fleing

    Schöne Anleitung. Leider fehlen mir ein Gebot, das leider in vielen Rezepten nicht eingehalten wird:
    Ihr sollt die Nährwertangaben (kcal, Fett, Kohlehydrate, Eiweiß) aufführen.

    Und vielleicht noch dieses: Ihr sollt die Vorgansweise in leicht verständlicher Laiensprache beschreiben und nicht in Fachbegriffen, für deren Verstehen man schon mindestens 2 Jahre ala Koch in der Lehre sein muss.

    1. Sabine Schlimm Artikel Autor

      Danke für die Ergänzungen, Elke! Die Nährwerte habe ich absichtlich nicht mit aufgeführt – das ist für die meisten von uns, die keinen Zugriff auf Nährwertrechenprogramme haben, nicht zu leisten. Und ich ganz persönlich habe bei solchen Angaben immer das Gefühl, die wollen mir den Genuss verleiden.

    2. Kristina

      In einem gedruckten Kochbuch finde ich die Nährwertangaben hilfreich. Werden die Rezepte in einem Blog veröffentlicht erwarte ich keine Nährwertangaben.
      Die Rezepte müssen vorbereitet, gekocht, fotografiert und geschrieben werden. Die Berechnung der Nährwertangaben kostet einfach viel zu viel Zeit, außer man ist gelernter Koch oder Ökotrophologe.

  3. Nikolai Wojtko

    Hallo Sabine,

    schöne Sache mit den 10 Rezept-Geboten. Einige Gebote sind sicherlich Kontextabhängig, aber alle zutreffend. Eines vielleicht fehlt noch: Verschlanke deine Rezepte. Überlege schreibend und kochend, wie du Rezepte einfacher und übersichtlicher gestalten kannst.
    Beste Grüße aus Köln
    Nik

    1. Sabine Schlimm Artikel Autor

      Danke. :-) Was genau meinst Du mit „verschlanken“? Wenn es um die Art der Formulierung geht, dann ist das ja immer eine Gratwanderung zwischen „zu ausführlich“ und „zu knapp“. Dass beim Kochen manchmal weniger mehr ist, sehe ich genauso. (Manchmal ist mehr allerdings auch wirklich mehr – das ist dann wieder die Gratwanderung.)

  4. katha

    danke für die mühe, die du dir gemacht hast. ich führe bei meinen büchern seit beginn checklisten mit, die ich jetzt beim aktuellen vor ein paar wochen in einer fusioniert habe. schaut ähnlich aus, ist natürlich nicht erklärt, sondern nur für mich zur erinnerung. ein paar wichtige punkte würde ich noch ergänzen: 1. vorspann, die große chance, auf ein rezept richtig lust zu machen, 2. maßeinheiten, ich denke an TL, EL, bund, handvoll etc. bzw. wann genaue angaben sinnvoll/nötig sind und wann nicht, 3. varianten, 4. rechtschreibprüfung (nicht lachen, gerade online frage ich mich das oft).

    1. Sabine Schlimm Artikel Autor

      Wow, danke!
      Zu 1: Sehe ich absolut genauso.
      Zu 2: Stimmt, ein weites Feld – da gäbe es noch viel zu zu sagen. Mal sehen, vielleicht ergänze ich die Anleitung zu gegebener Zeit noch. Zum Glück sind bei uns Volumenmaße (cups etc.) zumindest für größere Mengen nicht so üblich, sonst müsste man dazu auch noch einen Sermon schreiben.
      Zu 3. Meinst Du, dass es wünschenswert ist, welche anzugeben? Ja, finde ich auch.
      Zu 4. Du sagst es. :-))

  5. katha

    ps: bei zeitangaben bin ich anderer meinung: ich gebe sie bewusst nicht an, weil wirklich jede/r einen anderen rhythmus und ein anderes tempo hat, kennzeichne höchstens aus gründen der niederschwelligkeit bzw. leichteren zugänglichkeit die „schnellen“ rezepte. und: das macht das durchlesen des rezeptes nötig, was für das gelingen des rezeptes immer von vorteil ist. nährwertangaben: never ever.

  6. Joerg

    Danke für die gute Zusammenfassung. Auch ich stimme fast allem zu, besonders Kathas Ergänzungen.

    Grundsätzliche Anmerkung:
    Beim Schreiben hilft generell, zielgruppengerecht vorzugehen. Das erleichtert das Formulieren und erhöht die Wahrscheinlichkeit, gelesen und verstanden zu werden. Beispiele aus der Praxis: Ob ich nun im Kundenmagazin eines konservativen Weinhändlers, für den Hofladen meines besten Biobauern oder aber im eigenen Blog Rezepte veröffentliche: Völlig verschiedene Baustellen, andere Erfahrungshorizonte, je eigene Lesegewohnheiten und Erwartungshaltungen. Ich orientiere mich also stets an einem imaginären „Normalleser“, das funktioniert einigermaßen zuverlässig.

    1. Sabine Schlimm Artikel Autor

      Das mit den Zielgruppen sehe ich genauso, deshalb habe ich das auch in den Vorbemerkungen im PDF so betont. Allerdings finde ich es gar nicht so einfach, sich „Normalleser_innen“ vorzustellen. Erfahrung hilft natürlich, viel Austausch übers Kochen mit den verschiedensten Leuten hilft auch – aber man muss sich, finde ich, einfach auch der Tatsache bewusst sein, dass man eben doch meist vom eigenen Horizont ausgeht.

  7. Julia

    Das kommt ja wie gerufen! Danke schön!

    Zu Gebot 2:
    Portionsangaben finde ich manchmal schwierig. Mein Mann vertilgt eine Portion, die doppelt so groß ist wie meine, da bin ich immer unsicher, wie man das eigentlich korrekt bemisst.
    Zubereitungszeit habe ich noch nie angegeben. Bin eine „Langsamköchin“ und würde meine Leser sicher verschrecken… Aber ich denk mal drüber nach ;-)

    Zu Gebot 3:
    Ich mag es lieber, wenn ich die Hauptzutaten zuerst lese und nicht erst am Ende feststelle „Huch, da ist ja Fleisch drin“ (gerade passiert bei einem Bulgurrezept). Aber das ist vielleicht Geschmacksache…

    Zu Gebot 7/8:
    Was ich mich aber immer wieder frage: Ich gebe in den Rezepten z.B. gerne an „1 kleine Zwiebel, fein gewürfelt“. Dass man die Zwiebel vorher schälen muss, schreibe ich nicht. Setze ich dann schon zu viel voraus? Bei Tomaten schreibe ich auch meist nicht „Strunk entfernen“. Sollte ich vielleicht auch mal überdenken…

    Herzliche Grüße aus Köln!
    Julia

    1. Sabine Schlimm Artikel Autor

      Freut mich, dass Du Dich so detailliert damit auseinandersetzt!
      Zu Gebot 2:
      Im Grunde ist es bei den Portionen das Gleiche wie bei der Zeitangabe: Die einen essen mehr, die anderen weniger; die einen brauchen länger, die anderen sind schnell. Aber ich finde es immer sehr hilfreich, eine ungefähre Größenordnung dabeistehen zu haben – also: eher 2 Personen oder eher 6. Ich glaube, niemand ist böse, wenn dasteht, es reicht für zwei, und dann bleibt was übrig. Andererseits habe ich schon oft die Klage gehört, die Rezepte in Kochbüchern reichten nie für die angegebene Personenzahl; man bräuchte mindestens das Doppelte. (Nähkästchen auf: Das hängt manchmal mit den Nährwertangaben zusammen, die auf diese Weise „schöngerechnet“ werden – mehr Portionen, geringere Nährwerte pro Portion. Nähkästchen zu.) Im Internet gebe ich manchmal an „reicht für 2 Hungrige“ oder so was.
      Zu Gebot 3:
      Ich bin dafür immer sehr irritiert, wenn ich in einer (in meinen Augen) unsortierten Zutatenliste die im Text erwähnten Zutaten nicht sofort finde … ;-)
      Zu Gebot 7:
      Na ja, natürlich geht es so auch – im angelsächsischen Raum sehen Rezepte ja fast immer so aus, dass die Zutaten schon verarbeitet in der Zutatenliste stehen. Beim Zwiebelwürfeln unproblematisch, denke ich (außer in einem Kinderkochbuch vielleicht). Aber wenn dann dort steht „6 Artischockenböden, vorbereitet“ kommen die meisten wohl ins Schleudern. Also wird so was dann oft eben doch im Rezepttext selbst erklärt, und dann entsteht ein komisches Mischmasch: einerseits Zutaten, die ich schon vorher vorbereitet haben soll, andererseits welche, bei denen mich das Rezept an die Hand nimmt. Ich bin immer sehr für Einheitlichkeit und beschreibe lieber alles im Text. Außerdem weiß ich tatsächlich nie, wie ich die Angabe der Zubereitungszeit verstehen soll, wenn einige Zutaten schon vorbereitet in der Liste stehen: Zählt die Vorbereitung dann dazu? Oder nicht?
      Kann man natürlich umgehen, wenn man keine Zeitangaben macht. ;-)

  8. katha

    mise en place via zutatenliste oder nicht ist einer der wichtigsten punkte überhaupt. da passiert gerade wieder ein bissl ein shift zurück zum alles in der zubereitung machen. ich gestehe, dass ich zu beginn meiner „kochbuchkarriere“, auch, weil ich mit einem meisterkoch zusammenarbeite, die profivariante bevorzugt habe. durch diskussionen mit meiner lektorin und aufmerksames rezeptestudium von hunderten kochbüchern seither bin ich mittlerweile überzeugt, dass alle schritte (vorbereitung/zubereitung) in die zubereitung gehören. weil es ja nicht der commis macht wie in der profiküche, sondern alles die privatköchin/der privatkoch. außerdem erschweren mise-en-place-angaben in den zutaten den einkauf enorm, denn viele wissen dann nicht, was/wie viel sie wirklich einkaufen müssen. aber gut, über den punkt könnte ich noch meterlang schreiben.
    interessant finde ich die kurze diskussion in einer food blogger gruppe auf fb über deine checkliste. da hieß es, wieso, ich schreibe eh privat und nicht gewerblich, da kann ich mir ruhig fehler erlauben. ich glaube, so eine liste würde im angloamerikanischen raum mit großem jubel und großer freude aufgenommen werden (macht dianne jacob/will write for food ja eh) und sich wie ein lauffeuer und mit großer dankbarkeit verbreiten. bei uns (zumindest ist das mein eindruck heute) fragt man sich: wozu? ich mache das schon immer so. ich sehe keinen sinn dahinter etc. das verblüfft mich auf einer anderen ebene sehr und lässt rückschlüsse über den professionalisierungsgrad von food blogs hüben wie drüben zu.

    1. Sabine Schlimm Artikel Autor

      Wobei ich sagen muss: Ich freue mich ja schon sehr, dass darüber diskutiert wird! Und klar, gezwungen ist niemand, sich an solche Listen zu halten – genau wie jede und jeder so grausliche Fotos machen darf, wie er oder sie will (ich bekenne mich an dieser Stelle durchaus schuldig). Wobei ich glaube, dass beim Thema Fotos das Bewusstsein sehr viel größer ist, wie professionell dadurch ein Blog wirkt. Beim Thema „Rezepte formulieren“ muss das Bewusstsein vielleicht erst geschaffen werden.

    2. Julia (Löffelgenuss)

      Interessant, Katha und Sabine, das mal aus der Profi-Perspektive zu hören. Eure Argumente klingen vernünftig und ich will mal zusehen, das hinzukriegen. Ich schreibe zwar auch nur als Hobby meine Rezepte, habe aber sehr wohl den Anspruch, dass man sie tatsächlich auch nachkochen kann (soviel zu der von dir angesprochenen Diskussion, Katha…). Manchmal ist es allerdings einfach der fehlenden Zeit geschuldet, dass die Rezepte mit weniger Kopf und Verstand aus der Feder fließen.

      1. Sabine Schlimm Artikel Autor

        Klar, der Zeitfaktor – den kenne ich auch, glaub mir! Deshalb kommt bei mir auch nicht jedes einzelne Rezept hier im Blog bis ins Letzte optimiert daher. Aber wenn man schon mal weiß, welches die Punkte sind, an denen man schrauben müsste, ist ja auch was gewonnen.

  9. Alex Medwedeff

    danke für die punkte, regen schon auch zum nachdenken an.
    ich schreibe oft die vorbereitung in die zutaten, weil es nervt, immer das gleiche darzustellen, aber nur für einfache sachen. ich werde das überdenken…
    das schwierigste bei rezepten finde ich, einen sinnvollen und verständlichen faden durch die beschreibung zu führen. man darf einfach keinen handgriff auslassen und sich bildlich vorstellen, was alles passieren muss, das ganze auch zeitlich abgestimmt. oft nicht so leicht.
    aber ich finde, man darf da schon auch ein bisschen ansprüche an sich haben, was rechtschreibung etc. betrifft.

    1. Sabine Schlimm Artikel Autor

      Einfach ist das mit der genauen Beschreibung nicht, das sehe ich auch so. Und manchmal dauert es echt lange, bis so ein Rezept mal steht. Aber das Gute ist ja: Vieles wiederholt sich, und mit wachsender Routine wird man schneller.

  10. Pingback: Schmausepost vom 21. November - Newsletter | Schmausepost

  11. Turtle

    Ich finde Zubereitungszeiten in der Regel völlig nutzlos, da selbst die reinen Koch- und Backzeiten so gut wie nie passen (hängt ab vom eignen Herd, vom Topf, etc.) . Als erfahrene Köchin kann ich nach dem Lesen selbst einschätzen wie lange es dauert. Und als Kochanfängerin habe ich die Zeiten sowieso nie einhalten können, da ich da ja noch viel langsamer war. Außerdem ist nie so richtig klar, ob die Standarddinge wie Gemüse waschen und putzen, zwischendurch Arbeitsplatz freiräumen (muss man in einer kleinen Küche ja ständig) dabei sind oder nicht.

    Portionsgrößen sind auch schwierig. Wenn in einem Rezept 300g Nudeln angegeben werden für 4 Personen, dann muss ich immer kichern. Das reicht doch höchstens für 3, es sei denn ich serviere das in einem mehrgängigen Menü. Auch hier gilt: Mit Erfahrung kann ich abschätzen wieviele Leute in meiner Menüplanung davon satt werden. Ohne Erfahrung blieb oft nur ausprobieren.

    Wichtiger finde ich anzugeben, ob das Rezept für Kochanfänger, Erfahrene oder Profis ist.
    Hier ist die Angabe ob besondere Geräte (also alles was nicht Topf, Pfanne, Auflaufform ist), benötigt werden, auch wichtig. Selbst als leidenschaftliche und erfahrene Köchin finden sich in meiner Küche viele Dinge nicht, weil ich keinen Platz für große Dinge habe (Küchenmaschine!) und mir ungern Geräte anschaffe, die nur einen Zweck haben (z.B. Eismaschine). Hilfreich finde ich auch wenn in solchen Fällen alternative Zubereitungswege beschrieben sind. Z.B. ist es mit einem Handrührgerät schwierig bis unmöglich Eier für den Biskuitboden so schaumig aufzuschlagen wie mit einer Küchenmaschine. Ich weiß, dass das dann trotzdem ein ordentlicher Boden wird. Unerfahrene Bäcker und Bäckerinnen vielleicht nicht.

    1. Sabine Schlimm Artikel Autor

      Deine Einwände kann ich nachvollziehen, Turtle. Allerdings bleibe ich dabei, dass die Angabe der Zubereitungszeit wenigstens erlaubt, eine Größenordnung abzuschätzen: Brauche ich eher eine halbe oder anderthalb Stunden? Dafür finde ich wieder schwierig, den Schwierigkeitsgrad anzugeben. Wonach bemisst sich, ob jemand fortgeschritten ist? Ich habe schon Leute erlebt, die sich als die tollsten Hechte dargestellt haben, und wenn ich dann (bei Kochkursen z. B.) gesehen habe, wie die mit dem Messer herumfuhrwerken – na ja. Und das Gegenteil gibts genauso häufig.

  12. Ute Obernberger

    Hallo Sabine,
    ich habe dein Blogthema nach deiner gestrigen Ankündigung bei Facebook entdeckt und jetzt Zeit gefunden, das intensiv durchzulesen. Deine Gedanken und Vorschläge gefallen mir sehr gut. Auch ich habe mir bereits des öfteren Gedanken zu einer vernünftigen, weder unter- noch überfordernden Darstellung von Rezepten gemacht, teils, weil ich selbst ab und zu Rezepte veröffentliche, teils, weil ich in diversen Blogs schon grottenschlechte Anleitungen gelesen habe, teils auch gute Anleitungen, die aber sehr einfache Sachverhalte über derart viel Platz ausbreiteten, dass das jeden Neuling eigentlich abschrecken müsste.

    Du schreibst deine Gebote ja wohl hauptsächlich für Internet-Veröffentlichungen aber mir erscheinen sie hauptsächlich auf Printmedien bezogen zu sein. Für Intenet-Veröffentlichungen, speziell in Blogs aber auch sonst, solltest du meines Erachtens nach auf die besonderen Möglichkeiten da sehr viel näher eingehen:

    So gibt es schon einmal die Möglichkeit, mit Farben zu arbeiten, farbliche Schrift, Schrift farbliich unterlegt für Rezeptteile, die zusammengehören, Fettdruck für Wichtiges, Dünndruck für Erläuterungen, die nicht von der Hauptsache ablenken sollen, für manchen aber sein müssen, Einbindung von Links oder von Popups. Gerade das Medium Internet bietet doch so viel mehr Möglichkeiten als die reine einfache Schriftform.

    Mir schwebt ein Rezept vor, das kurz, knapp und übersichtlich ist, Zutaten in der zeitlich korrekten Reihenfolge auflistet, farblich aber unterschieden nach Teilbereichen, Farben, die sich in der Zubereitung dann auch wiederfinden. Für nähere Erklärungen dann Dünndruck oder kleine Popups oder bei längeren evtl. nötigen Erläuterungen auch mal Links.

    Ich kenne einige Blogger, die es fertigbringen, sehr einfache Rezepte seitenlang derart auszuwalzen, dass man kaum etws wiedererkennt. Noch schlimmer aber treiben es gewisse YouTube-Freaks: Wahnsinn.

    Mach weiter so!

    Grüße von Ute

    1. Sabine Schlimm Artikel Autor

      Wow, was für Ideen – ich bin beeindruckt! So strukturierte Rezepte würde ich mir ja gern mal anschauen. Du hast recht: Digital gibt es da noch jede Menge ungenutztes Potenzial. Wobei ich glaube, dass die Rezepte zum Nachkochen oft ausgedruckt werden, und so müssen sie dann halt auch noch funktionieren. Hmm, muss ich mal dran weiterdenken.

      1. Ute Obernberger

        Ich freue mich, wenn du einige meiner Gedanken aufgreifst. Ein Problem stellt wohl auf alle Fälle die jeweilige Platform dar. Ich würde gern mal ein Muster erstellen für ein Rezept aber schon bei der Auswahl, wie man das wo machen könnte, habe ich ein Problem.

  13. Ute Obernberger

    Noch etwas ist mir eingefallen: Wenn ich ein Rezept veröffentliche, will ich auch sicherstellen, dass evtl. Nachkocher die ein oder andere Komponente austauschen können (sei es, dass man etwas nicht mag, eine Allergie oder Unverträglichkeit hat oder einfach etwas anders machen möchte). Deshalb halte ich es für wichtig, die Zutagen (vielleicht farblich unterschieden?) nach Komponenten zu sortieren.

    Beispiel: Ich habe gerade vorhin bei FB mein heutiges Mittagsmahl gepostet. Es besteht aus Entenkeule auf Chirurgenart und dazu Steinpilzrisotto mit Safran.

    Vielleicht hat jemand keine Steinpilze da oder keinen Safran. Oder möchte keinen Risotto machen, sondern etwas anderes. Dann braucht er einen schnellen Überblick über die reine Entenkeule und das, was dazu gehört. Den Rest kann er wegdenken.

    Klar, was ich meine?

  14. Sabine Schlimm Artikel Autor

    Ja, ich verstehe, was Du meinst. Oft wird das ja auch so gemacht (habe ich auch bei meinem 3. Gebot erwähnt): Die Zutatenliste wird aufgeteilt in „Für die Ente“, „Für die Sauce“ etc. Finde ich auch grundsätzlich sehr hilfreich – aaaaber: Wenn dann in der Rezeptanleitung doch die Zubereitung von Ente und Sauce (oder Teig und Füllung etc.) stark verschränkt ist, dann wird es schnell unübersichtlich. Ich bin mir nicht sicher, ob dann die Farbcodierung ausreicht, um den Überblick zu behalten.
    (Ich wünschte, ich könnte das bei mir im Blog mal ausprobieren. Aber ich benutze ein Rezept-Plugin, das mir manche Möglichkeiten nicht lässt, dafür das Rezept aber – das ist die Plus-Seite – in eine leicht ausdruckbare Form bringt. Vielleicht muss ich auch noch mal nachdenken, ob es da eine andere, bessere Möglichkeit gibt.)

  15. Ute Obernberger

    Sabine, das größte Problem scheint zu sein, dass unterschiedliche Plattformen nicht jede denkbare Gestaltungsmöglichkeit zulassen. Farbcodierungen sind ja auch nur eine Möglichkeit der Unterteilung. Aber doch anscheinend nicht überall brauchbar. Ich habe gerade vorhin mal bei FB ein Brötchenrezept eingegeben, das ich wirklich gern farblich codiert hätte oder auch mit Anklicklinks (Popups) versehen hätte. Geht aber nicht. Schade, muss man aber akzeptieren. Also hab ich mal versucht, mit den (sehr wenigen!) von FB gebotenen Möglichkeiten und eingedenk deiner Gebote, ein Rezept zu posten. Wenn du Lust hast, guck es doch bitte mal an und teile mir gern mit, was du davon hältst! Es ist in der Gruppe „Der Sauerteig – das unbekannte Wesen“ unter Dateien „, heißt „Utes Brötchen (unter Mithilfe von Larissa und anderen Mitgliedern vom ST-Forum)“. Ich versuche mal eine Verlinkung, weiß aber nicht, ob das klappt: https://www.facebook.com/groups/Sauerteigforum/files/

    1. Sabine Schlimm Artikel Autor

      Also, erst mal: Ich fühle mich geehrt, dass Du versuchst, meine Tipps umzusetzen! :-) Anschauen kann ich mir das Ergebnis allerdings leider nicht – das ist eine geschlossene Gruppe, in der ich erst Mitglied werden müsste. Und da ich meine Sauerteige immer sterben lasse, fühle ich mich da nicht gerade prädestiniert für. Ähem.

  16. Kristina

    Ich finde die 10 Gebote sind eine gute Anleitung zum Rezepte schreiben.
    Ich werde zukünftig noch mehr darauf achten, klar und einfach die Zubereitung zu beschreiben.
    Mit der Zeit habe ich gelernt die Mengen genauer anzugeben. Zubereitungszeiten habe ich bis jetzt fast nie angegeben, werde aber zukünftig daran denken, diese mit anzugeben.
    Es ist nicht einfach, sich in den „Rezept Nachkocher“ hinein zu versetzten.

    Viele Grüße
    Kristina

    1. Sabine Schlimm Artikel Autor

      Danke! :-) Ja, das mit dem Hineinversetzen ist nicht leicht, und ich behaupte auch, dass es bis ins Letzte gar nicht möglich ist. Aber wenn man es versucht, hat man schon mal die Nase ein deutliches Stück weiter vorn.

  17. Pingback: Jahresrückblick 2014 - loeffelgenussloeffelgenuss

  18. FEL!X

    Oh, wie du mir aus der Seele sprichst, liebe Sabine!
    Etwa 10 Jahre habe ich für verschiedene kulinarische Verlage rezeptiert, weiss also um viele Probleme bei gedruckten Rezepten, bei denen man von Platzangebot und Layout eingeschränkt wird.
    Dies ist bei Publikationen im Internet zum Glück nicht so der Fall.
    Bestimmt gibt es aber auch in meinen Blog vieles, das ich besser be-schreiben könnte.

    Zu Gebot 3: anstelle einer Zutatenliste zu Beginn habe mich für die Variante «Zutat(en) + Arbeitsschritte / nächste Zutat(en) + Arbeitsschritte» entschieden, damit man nicht immer wieder nach oben scrollen muss. Eine Auflistung der Zutaten gibt es jedoch als Einkaufsliste per Link mit dem sich ein separates Fenster öffnet (Blogspot bietet leider keine Möglichkeit wie «EasyRecipe» bei WordPress).
    Das Aufführen von speziellen Gerätschaften (4. Gebot) werde ich mir zu Herzen nehmen!
    Gebot 5: «Backofen auf … vorheizen» an der zeitlich entsprechenden Stelle aufzuführen kann auch seine Tücken haben: weil die (geschätzte) Leserschaft eben gerne überliest und mich dann über die Beratungshotline darauf hinweisen wollte, dass beim «in den vorgeheizten Ofen schieben» überhaupt keine Temperatur angegeben sei…
    Bei Gebot 7 finde ich enorm wichtig, dass der Inhalt von EL / TL irgendwo definiert wird: je nach Besteck sind 3 EL eben keine 45 ml!
    Zu Gebot 8: ja, konkret angeben! Nicht «10 Min einkochen lassen», sondern «zu dickflüssiger Konsistenz…».
    Das Gebot 9 löse ich mit internen Links auf eine Auflistung von Küchenausdrücken oder Zutaten-Beschreibungen, damit ich diese nicht in jedem Rezept erklären und wiederholen muss (meine Rezept scheinen mir auch so manchmal seeeehr lang!

    Danke, dass du diese Gebote erarbeitet hast! Ich hoffe, dass sie von einer grossen Leserschaft wahrgenommen werden.

    Mit kulinarischen Grüssen aus Fernost,
    FEL!X

    1. Sabine Schlimm Artikel Autor

      Danke für Deine ausführlichen Kommentare! Zu Punkt 3: Ja, das mit den fortlaufend geschriebenen Rezepten finde ich auch okay, wenn Zutaten und Verarbeitung gut typografisch voneinander abgesetzt sind, sodass man die Zutaten trotzdem auf einen Blick erfassen kann (da fände ich übrigens bei Dir im Blog Fett- statt Kursivsetzung evtl. hilfreicher).
      Und mit den Tee- und Esslöffelvolumen hast Du natürlich recht. Hmm, mal gucken, ob ich das in Zukunft irgendwo definiere. Erst mal meine Löffel ausmessen gehen …

  19. Hans

    Solch eine Anleitung zum Rezeptschreiben ist sicherlich sinnvoll, denn meine Erfahrung mit etwas über 1200 Kochbüchern, überwiegend aus dem deutschsprachigen Raum, zeigt, dass die Mehrzahl der sogenannten (Fach-)Autoren und wie es den Anschein hat, auch die Lektoren, von der praktischen Umsetzung der vorgestellten Rezepte weit entfernt sind. Wer Mengenangaben mit Teelöffel, Eslöffel oder Messerspitze verwendet, gibt meiner Meinung nach fehlerhafte Empfehlungen. Rezepte sollen dafür sorgen, dass das Gericht jederzeit in der gleichen Qualität reproduzierbar ist. Z.B. wieviel Salz gibt man in eine Brühe für Tafelspitz? Da helfen einem keine Teelöffel angaben, sondern man muss das Verhältnis von Wassermenge und „Salzgrad“ definieren. Und dann stellt sich noch die Frage, ob man auch noch Zucker hineingeben muss und wenn ja, in welchem Verhältnis. Temperaturangaben und wesentliche Voraussetzungen bei der Bearbeitung eines Gerichtes, auch in Bezug auf technische Erfordernisse, gehören genauso in die allgemeine Beschreibung eines Rezeptes. Wenn Sie z.B. ein Rezept für eine frische Hühnerbrust oder für ein Lachssteak bearbeiten, muss man konkrete Temperaturangaben machen, damit das Eiweiss nicht austritt und gerinnt (Albumin) oder wie man durch vorherige Bearbeitung, z.B. mit einer Salzmarinade, diese Albumingerinnung verhindern kann. Das alles ist meiner Meinung nach viel zu ungenau, wenn die mengenangaben nicht stimmen und jeder Teelöffel und Esslöffel Differenzen mit bis zur doppelten Menge aufweisen kann. Gerade bei Angaben über die Menge beizugebender Gelantine sehen wir sehr deutlich, dass die meisten „Kochbuch-Rezepte“ hier versagen. Deshalb koche ich jedes Gericht aus einem Kochbuch zur Probe und setzte die Mengen in „Gramm-Notationen“ um. Ggf. korrigiere ich die Angaben. Und wenn Sie dies mal bei den gängigen Kochbüchern austesten, werden Sie sehr schnell erfahren, was alles noch an zusätzlichen Erklärungen eigentlich notwendig wäre. Die vielen technischen Voraussetzungen, z.B. beim Backofen sind hier noch gar nicht berücksichtigt. Wie kann man die erforderliche Tempertaur präzisse führen und ist die Temperatur im Backofen an allen Stellen gleich? Um nur ein weiteres Beispiel zu erwähnen. Das bedeutet, dass man in Rezepturen zunächst auch die technischen Grundannahmen definieren muss.

    1. Sabine Schlimm Artikel Autor

      Hallo Hans, danke für diesen ausführlichen Kommentar! Daraus spricht sehr großer Perfektionismus, was ich bewundere. Aber die Frage ist ja, ob der im Alltag tatsächlich immer notwendig ist. Klar unterscheidet sich die Füllmenge von Esslöffeln, und klar unterscheiden sich Backöfen in ihren Eigenschaften. Manchmal haben sogar die Luftfeuchtigkeit, die Raumtemperatur oder die Höhenlage einen Einfluss auf das Kochen. Aber ich beschäftige mich in der Regel nicht mit hochkniffligen Rezepten, die jedes Mal ein absolut normiertes Ergebnis haben sollen, sondern von Alltagsküche. Ich kenne viele Leute, die noch nicht mal eine Küchenwaage besitzen. Ich besitze zwar eine, hole sie aber auch nur in Ausnahmefällen (Brot backen) heraus, um Salzmengen abzuwiegen. Ich finde, man kann durchaus einen Kompromiss zwischen absoluter Gelingsicherheit und pragmatischer Effizienz finden. Und das sind dann unter Umständen eben Esslöffelangaben.

  20. Martin

    Hallo Sabine,
    ein wundervolles Thema, das mich auch beschäftigt, weil ich ein Anfänger bin.
    Rezept kommt ja etymologisch von „empfangen“, von daher stimmt es, dass ein Rezept nie perfekt geschrieben sein kann, denn der Empfänger ist ja nicht immer der Gleiche und versteht manches anders oder falsch.
    Aber mir ist schon während meiner Lehrzeit (als Tischler) aufgefallen, dass in den Büchern nicht alles drinsteht, was wichtig ist. Beim gemeinsamen Kochen oder Backen lernt man oft viel mehr, als beim Rezepte lesen. Selten findet man Tipps, die die Sachen erklären., wieso etwas gemacht wird und was dadurch passiert. Ich bin aber der Meinung, dass Rezepte nicht einengen sollen, sondern Horizonte eröffnen. Deswegen sollen sie vor allem eines: Appetit machen und anregen, die eigene Kreativität zu schulen, denn seien wir doch mal ehrlich, nach Rezept kochen, ist doch langweilig, oder?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


Indem Sie diese Seite weiter nutzen, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Auf dieser Website lautet die Cookie-Einstellung "Cookies zulassen", um Ihnen das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website weiter nutzen, ohne Änderungen an Ihren Cookie-Einstellungen vorzunehmen, oder unten auf "Akzeptieren" klicken, dann erklären Sie sich mit dieser Einstellung einverstanden.

Schließen